Kopenhagen: Was für ein Unsinn
Die Kommentare zur Klimakonferenz in Kopenhagen waren beherrscht von einem Entsetzen über das Scheitern der Konferenz. Was für ein Unsinn! Denn: Ein “Erfolg” der Konferenz wäre wohl kein Erfolg gewesen. Warum? Weil über das Falsche verhandelt wurde. Worüber? Eine Verteilung von Lasten. Ganz falsch!
Was bedeutet es denn, weniger CO2 zu emittieren? Eine Belastung? Von wegen. Einen enormen ökonomischen Gewinn. Energie wird durch Blockheizkraftwerke effizienter umgewandelt, durch Gebäudesanierung effizienter genutzt oder wie bei den erneuerbaren Energien Wasser, Wind, Sonne und Geothermie brennstoff(kosten)frei erzeugt. Und bei der Biomassenutzung bleibt das Geld meist in der Region. Das bedeutet bei steigenden atomarfossilen Energieerzeugungskosten eine Entkoppelung von Preissteigerungen.
Wir müssen unsere Energieversorgung umbauen - auch wenn es keinen Klimawandel gäbe! Dabei findet eine enorme Wertschöpfung in den Regionen statt, werden Arbeitsplätze geschaffen und Innovationen am Fließband produziert. Es geht also nicht um Verteilung von Lasten, sondern das Erreichen von Gewinnen. Erfolgreich werden die Länder sein, die diesen Umwandlungsprozess am schnellsten vollziehen. Wer am besten CO2-Emissionen vermeidet, wird also am meisten gewinnen!
Diese Gewinne werden für die Dynamik sorgen, die nötig ist, um die Ziele zu erreichen, die in Kopenhagen verfehlt wurden. Wenn einzelne Länder entschlossen den Umbau der Energieversorgung organisieren, werden die anderen schnell folgen - aus wirtschaftlichen Gründen!
Lesen Sie auch die folgende Stellungnahme von EUROSOLAR-Präsident Dr. Hermann Scheer zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen, 21. Dezember 2009
Das Weltklima hängt nicht an einer einzelnen Regierung und nicht an der Weltorganisation, sondern muss zur eigenen Sache jedes Landes werden!
Was in Kopenhagen passierte, war nicht wirklich überraschend, sondern vorprogrammiert. Es bringt nichts, nun nachträglich einzelne Regierungen - die USA oder China - für das Scheitern verantwortlich zu machen. Die Ursache für das kollektive Versagen liegt im falschen Ansatz dieser nunmehr 15. Weltklimakonferenz binnen 15 Jahren.
Was solche Weltkonferenzen von Beginn an lähmt, ist der praktisch aussichtslose Versuch, einen Handlungskonsens unter allen beteiligten Regierungen für ein einheitliches Weltregime zu finden. Denn die Ausgangsbedingungen zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern sind extrem verschieden, abgesehen von ihren geografischen, sozialen und kulturellen Besonderheiten. Hinzu kommen Verstrickungen mit aktuellen wirtschaftlichen Interessen, die auf die Klimakrise einwirken. Darum musste die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ebenso beschämend kläglich enden wie einen Monat vorher die Welternährungskonferenz in Rom und wie alle vergleichbaren UN-Konferenzen der vergangenen Jahre.
Klimaschutz erfordert gänzlich neue Produktionsweisen und grundlegende wirtschaftliche Strukturveränderungen. Der untaugliche Versuch, über die Zuteilung von Emissionsrechten den weltweiten CO2-Ausstoß zu kontrollieren, wird vergeblich bleiben.
Die falsche Ausgangsbasis der Weltklimakonferenzen war und ist: dass die Veränderung der Produktionsweisen durch den Wechsel zu emissionsfreien Erneuerbaren Energien als wirtschaftliche Last gilt. Die zwangsläufige Folge dieses Denkfehlers ist ein endloses Gefeilsche um die Lastenverteilung. Dabei kann allenfalls ein Minimalkonsens erzielt werden, der hinter den Erwartungen und Anforderungen zurückbleiben muss. Das richtige Vorgehen wäre, den grundlegenden Wechsel der Energiebasis als Chance zu verstehen. Sie muss in jedem einzelnen Land unter den jeweiligen konkreten volkswirtschaftlichen Bedingungen ergriffen werden.
Wer diese Chance erkennt, muss nicht auf einen Vertrag der kraftlosen Weltorganisation warten und sich nicht von aufschiebenden UN-Beschlüssen abhängig machen. Die Welt braucht kreative Wegbereiter und mutige Vorreiter, die mit ihren Beispielen andere anregen und mitreißen – so wie es Deutschland mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vorbildlich getan hat.
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22. Dezember 2009 um 10:18 Uhr
Das ist vollkommen richtig und ermunternd, nachdem ich von meinen Illusionen in Bezug auf Kopenhagen Abschied genommen habe. Wir von der Zivilgesellschaft sind in diesen Absichten längst aktiv und erfolgreich. Nur manchmal drohe ich angesichts der Größe der Aufgaben kleinmütig zu werden, was - bei Lichte besehen - falsch, aber vielleicht menschlich ist. Gut, dass es uns von MetropolSolar gibt - mentale Stärke steckt an. Danke!
Christine