Wir machen Euch platt!

Wenn die Kämpfer für die Dezentralisierung der Energieversorgung und 100% Erneuerbare Energien jetzt schlafen, sind sie tot, wenn es ans Aufwachen geht.

Nach dem Angriff auf die Solarförderung (siehe z.B. Kommentar Hans-Josef-Fell, Spiegel-Artikel, Rundschreiben Solarförderverein), kommt heute die Meldung “Umweltministerium plant Aus für Kraft-Wärme-Kopplung” (KWK geht nur dezentral!!, siehe Beantwortung Anfrage Krischer auch hier) und Roland Koch verkündet, wie man bei der nicht mehr aufzuhaltenden Ausbreitung der erneuerbaren Energien die kleinen und mittleren Unternehmen zugunsten der großen Energiekonzerne platt machen kann (ganzer Artikel hier anklicken). So unverfroren liest man das selten:

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verlangte in dem Konzept eine grundlegende Neuausrichtung der erneuerbaren Energien. «Es muss Schluss sein mit der romantischen Träumerei, als würde künftig jeder seine Energie selbst produzieren», sagte er der «Wirtschaftswoche».

Koch verwies darauf, dass auch die regenerativen Energien «nur im industriellen, großtechnischen Maßstab effizient und zu vertretbaren Kosten eingesetzt werden» können. Zwar werde 2050 Deutschland als eine moderne Industriegesellschaft ohne fossile Brennstoffe versorgt. Doch werde dies eher durch einen Windpark in der Nordsee oder einen Solarpark in der Wüste geschehen, sagte er. Deshalb müsse die Bevorzugung der privaten Erzeugung beendet werden. Die Einspeisevergütung sei nur »ein Übergangsinstrument«, ohne die sich die moderne Solartechnologie nicht entwickelt hätte. Doch könne es sie nicht auf Dauer geben, sagte Koch.

Besonders dreist an dieser Aussage ist: die Windkraft erhält vor der Küste (also dort, wo nur Großkonzerne investieren) eine etwa doppelt so hohe Vergütung wie im Binnenland - von wegen, die regenerativen Energien könnten «nur im industriellen, großtechnischen Maßstab effizient und zu vertretbaren Kosten eingesetzt werden» und die Zukunft der Windkraft läge nur vor der Küste!

Worauf läuft das hinaus? Diejenigen, die jahrelang die Erneuerbaren aufgebaut und viel Lehrgeld bezahlt haben, sollen jetzt abtreten. Die Kleinen sind zu groß und gefährlich geworden und jetzt gibt es für die Großen richtig was zu verdienen. Erst werden die Kleinen (auch große Erneuerbare-Energien-Firmen sind im Vergleich zu RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON sehr klein) in die Insolvenz getrieben und dann kaufen die, die jahrelang die Entwicklung aufgehalten haben, das Know-How und die Mitarbeiter aus den angeschlagenen Unternehmen auf.

Bürgerschaftliche Energieversorgung mit Gewinnen für alle? Von wegen. Die Blogbeiträge “Wo bleibt der Süden?” und “Trojanisches Sonnenpferd” hatten bereits vor Desertec- und Nordsee-Euphorie gewarnt - unbedingt noch mal lesen!!

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