Thüga und die Metropolregion
Bitte beachten Sie den folgenden Gastbeitrag von Dr. Andreas Frank zur Bedeutung des Thüga-Verkaufs für die Metropolregion Rhein Neckar:
Am 2. Dezember wurde die Thüga AG vom E.ON-Konzern an ein Konsortium aus verschiedenen Stadtwerken verkauft. Die Thüga AG ist ein Energieversorger, der im Stromsektor im Wesentlichen Beteiligungen an anderen Stadtwerken hält und im Gassektor auch operativ tätig ist. Ein weiterer Bereich ist die Trinkwasserversorgung. Das erwerbende Stadtwerkekonsortium besteht aus enercity (Stadtwerke Hannover AG), der Mainova AG (Frankfurt a. M.) und N-ERGIE AG (Nürnberg) mit jeweils rund 20,53 % und der Stadtwerkegruppe KOM9, die mit 38,41 % beteiligt sind. Die Bürgerinitiative „Thüga in Bürgerhand“ kam bislang nicht zum Zuge, hofft aber über die an KOM9 beteiligten Stadtwerke Freiburg doch noch einen Anteil zu erwerben. Die Thüga-Firmengruppe besteht aus insgesamt 110 Unternehmen und die Standorte sind in ganz Deutschland verteilt (http://www.thuega.de/thuega-gruppe/unternehmen/standorte.html).
Auch in der Metropolregion Rhein Neckar (MRN) ist die Thüga präsent. Im hessischen Teil der MRN ist sie mit 40 % an der HEAG Südhessischen Energie AG beteiligt. Diese versorgt u.a. weite Teile des Landkreises Bergstraße mit Strom und Gas. Weitere Beteiligungen bestehen an den Stadtwerken Grünstadt (21 %), den Gemeindewerken Haßloch (25,1 %), der Swift Energy (Stadtwerke in Frankenthal, 20 % sowie den Stadtwerken Germersheim. Eine mittelbare Beteiligung besteht über die Berliner Gaswerke AG auch an den Stadtwerken Landau (die Berliner Gaswerke halten 41 % an den Stadtwerken Landau, welche wiederum zu 36,85 % zur Thüga gehören. Schließlich gibt es noch den Gasversorger Thüga Rheinhessen-Pfalz, dessen Netzgebiet in der MRN rund 120.000 Einwohner umfasst. Die genannten Beteiligungen zeigen eine nicht unbedeutende Präsenz der Thüga in der MRN. Inwieweit sich durch den Verkauf der Thüga von der größten deutschen Atomenergie-Gesellschaft an einen Stadtwerkeverbund eine andere Ausrichtung der Energieversorgung einstellt, bleibt abzuwarten. Allerdings besteht durchaus die Hoffnung, dass die neuen Eigentümer andere Interessen verfolgen werden als der E.ON-Konzern und sich für die genannten lokalen Energieversorger neue Handlungsspielräume ergeben. Der sinkende Einfluss der großen Energiekonzerne in der MRN ist auf jeden Fall zu begrüßen. E.ON ist damit zumindest auf der Ebene der Verteilung von Energie nicht mehr in der Region vertreten. Am bundesweiten Erzeugungsoligopol der großen Vier (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) ändert sich indes nichts. Der Beteiligung der anderen Konzerne in der Region ist folgender. Während Vattenfall nur mittelbar über die Berliner Gaswerke an den Stadtwerken Landau beteiligt ist, ist der RWE-Konzern mit 27 % an der Pfalzwerke AG beteiligt, die große Teile des rheinland-pfälzischen Teils der MRN mit Strom versorgt und auch über die Pfalzgas in der Gasversorgung tätig ist. Weiter sind die RWE mit 50 % bei der EWR AG (Energiewerke Ried mit Sitz in Worms) vertreten, die neben Worms auch Teile des südhessischen Rieds versorgen. Die stärkste Präsenz der großen Vier in der MRN hat natürlich die EnBW, die neben einigen Beteiligungen auch als Netzbetreiber direkt im Endkundengeschäft mit Strom tätig ist. Das Netzgebiet der EnBW im baden-württembergischen Teil der MRN umfasst knapp 550.000 Einwohner. Gesellschaftsanteile hält die EnBW an der MVV AG in Mannheim (15,1 %), den Stadtwerken Weinheim (39,72 %) sowie der Gasversorgung Unterland GmbH (über 95 %) und der Erdgas Südwest GmbH (79 %).
Der Einfluss der großen Energiekonzerne ist also insbesondere im baden-württembergischen Teil der MRN sehr hoch. Durch den Verkauf der Thüga an ein Stadtwerkekonsortium ist der Einfluss in den anderen Teilen der Region nun zurückgegangen. Diese Änderung der Gesellschafterstruktur sollte für eine stärkere Ausrichtung auf eine dezentral orientierte Energieversorgung genutzt werden. Eine dezentral ausgerichtete Struktur, die auch wieder den Erzeugungsbereich der Energie mit einschließt, sollte auch im Interesse der Stadtwerke liegen. Es bleibt zu hoffen, dass die vielfältigen Möglichkeiten, welche die erneuerbaren Energien bieten, auch genutzt werden.









