Was wir brauchen

In der Regel finden Sie in diesem Blog nur Artikel, die in engerem Sinn mit dem Thema Energie zu tun haben. In diesem Beitrag geht es darum, den Umbau der Energieversorgung in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Es handelt sich nicht um ein fertiges Modell, sondern um den Versuch, den Bogen von den Wünschen und Bedürfnissen Einzelner und ihre Erfüllung in einem gesellschaftlichen Kontext mit globalen Fragen in Zusammenhang zu bringen. Es ist nicht auszuschliessen, dass dieser Beitrag auch noch mehrfach umformuliert und ergänzt wird. Kommentare sind herzlich willkommen!

Krisen allenthalben: Energie- und Ressourcenkrise, Klimawandel, Krise des Bildungssystems, des Gesundheits- und des Rentensystems, Finanzmarktkrise, Arbeitsmarktkrise (in vielen Ländern), Krise der politischen Parteien und der Demokratie usw. Eine Unzahl von Veröffentlichungen der letzten Zeit kreist aus unterschiedlichen Blickrichtungen um die Frage, was schief läuft, wie wir das Schlimmste verhindern oder - positiv formuliert - die Gegenwart so gestalten können, dass sie Zukunft ermöglicht. Die meisten dieser Betrachtungen setzen auf der gesellschaftlichen, einige auf der individuellen Ebene an.

Einige Beispiele sind: “12 Thesen zur Energiewende” von Martin Unfried, “Selbst denken - Widerstand leisten” von Harald Welzer, “Postwachstum” von Irmi Seidl und Angelika Zahrnt, “Gemeinwohlökonomie” von Christian Felber, der Bericht der Enquete-Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, die Internetseite “Utopia” und das “Transition Town“-Initiativen, “Intelligent wachsen - Die grüne Revolution” und “Reinventing Fire” von Amory Lovins. Die Ansätze eint die Überzeugung, dass ein “Weiter so” - wie wir alle wissen - nicht zukunftsfähig ist.

Wichtig wäre eine systematische “Erdung” aller Ansätze an der Frage, was wir eigentlich brauchen und was wir wünschen. Was der Einzelne braucht und wünscht. Und damit letztlich die Frage, was glücklich macht.

Wir leben aber nun in einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die regelmäßig gar nicht von der Frage ausgeht, was wir tatsächlich brauchen und was wir wünschen, sondern uns mit einer Fülle von vermeintlichen Zwängen und Notwendigkeiten konfrontiert, in der die Mittel zum Ziel werden.

Wenn ein Auto einfach ein Mittel wäre, um möglichst gut von A nach B zu kommen, würden nicht Milliarden Euro die meiste Zeit nutzlos auf der Straße herumstehen oder wenig sinnvoll bewegt werden, ohne dass das in irgendeiner Weise Gegenstand ernsthafter öffentlicher Diskussionen wäre. Im Gegenteil: Wer die Frage der Mobilität auf die Frage sinnvoller Bewegung von Menschen und Gütern reduziert, muss mit medialer Hinrichtung rechnen - weil er “die Autoindustrie” und “das Wirtschaftswachstum” zu zerstören sucht.

Besonders deutlich wird die Absurdität der Wertungen vor dem Hintergrund der (vermeintlichen) Kosten der Energiewende, speziell der EEG-Umlage, im Vergleich zum Energie, Rohstoff und Flächen fressenden Automobilwahn. Im Fall der Energiewende geht es um einen überlebensnotwendigen Umstellungsprozess, im Fall des Automobils und seiner Bevorzugung und Nutzung in der heutigen Form um ein extremes Luxusprodukt. Im einen Fall wird mit dem spitzen Bleistift gerechnet, im anderen Fall spielt Geld keine Rolle.

Wenn Sie heute bauen, müssen sie für jedes Haus eine entsprechende Anzahl an Stellplätzen nachweisen, selbst wenn sie kein Auto haben und auch keines haben wollen. Oder Sie müssen eine hohe Ablöse zahlen, um sich von dieser Verpflichtung freizukaufen. Sonst erhalten Sie keine Baugenehmigung. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten für jedes Haus einen Energienachweis erbringen. Nicht etwa einen Energieausweis, der den Energiebedarf darstellt. Sondern einen konkreten Nachweis, wie sie das Haus mit Energie versorgen - d.h. der Besitz eines Stücks Wald, einer Solaranlage oder Anteile an einer Öl- oder Gasquelle oder einem Windrad. Und wenn Sie das nicht könnten, müssten Sie eine hohe Ablöse zahlen, damit andere für Sie das für Sie organisieren können. Stellen Sie sich einmal ein Gesetz vor, dass das vorschreiben würde. Es würde ein Aufschrei durchs Land gehen.

Früher wurden Menschen zum Teil mit Brachialgewalt dazu erzogen, ihr Leben anderen unterzuordnen, z.B. dem Wohl der Familie, von Kaiser, Kirche und Reich - bis hin zum Opfer der eigenen Existenz. Sie haben regelmäßig nicht gelernt, Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen - geschweige denn zu erfüllen.

Heute werden viele Menschen für die Interessen weniger genauso manipuliert wie früher. Trotz vermeintlicher Freiheit und Individualität gibt es erhebliches und hochprofessionell organisiertes Interesse, uns davon abzuhalten, mit uns selbst und unserem Leben einverstanden zu sein und unsere tatsächlichen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Heute ist die Manipulation allerdings subtiler, weil sie scheinbar an den eigenen Wünschen und Bedürfnissen ansetzt. Sie setzt darauf, Unzufriedenheit zu nutzen oder zu erzeugen, in unserem Kopf einen Keil zwischen uns, wie wir sind, unsere Lebenssituation, wie sie ist, und den Zustand, der vermeintlich erstrebenswert wäre, zu treiben. Warum? Um uns dann ein Produkt anzubieten, dass diesen Graben überbrückt. Für unzufriedene, ungesunde und unausgeglichene Menschen haben wir ein hochgerüstetes und kaum noch finanzierbares Pharma- und Gesundheitssystem und eine boomende Wellness- und Tourismusbranche. Rundum zufriedene, gesunde und ausgeglichene Menschen würden ganze Wirtschaftszweige zusammenbrechen lassen.

Immer aufwändiger erstellte Werbung dient vor allem dem Ziel, Wünsche und Bedürfnisse zu wecken, die wir nicht haben, damit wir Produkte kaufen, die wir nicht brauchen oder die uns häufig sogar schaden, unter anderem in der Hoffnung, andere Menschen zu beeindrucken (”Mein Haus, mein Auto, mein Pferd!”). Uns wird suggeriert, dass dieses oder jenes neue, größere und schönere Produkt uns glücklicher machen würde. Dass wir out sind, wenn wir Dinge nicht haben, uns nicht leisten oder leisten können.

Der Konsumdruck in Bezug auf Smartphones und Markenkleidung ist bereits in den Schulen extrem hoch. Soziale Akzeptanz und die besonders in der Verunsicherung der Pubertät ersehnte Zugehörigkeit zur Gruppe ist der Motor. Jede noch so absurde Mode, wird von der Straße eingefangen und in Windeseile in Billiglohnländern in neue Produkte für die Massen gegossen. ”Der Markt” kennt unsere Wünsche und Bedürfnisse schon bevor wir sie selbst erahnen und bedient sie mit immer neuen Produkten - damit wir als gute Eltern und Großeltern, coole Jungs oder hippe Mädchen, erfolgreiche Geschäftsleute, begehrte Partner vermeintlich geliebt werden oder sozial erfolgreich sind. Wirkliche Liebe oder echte Gemeinschaft entstehen dadurch nicht.

Für immer mehr und immer schnelllebigere Güter verbrauchen wir immer mehr Flächen und Energie, wir verstopfen die Straßen durch immer mehr Transporte und parkende Fahrzeuge, stellen uns mit den Produkten die Wohnungen voll und brauchen am Ende gute Ratschläge von “Simplify your life” und gigantische Müllverarbeitungsanlagen, um all das, was wir nicht brauchen, wieder loszuwerden. Und wir arbeiten und verschulden uns, um das alles bezahlen zu können.

Geniessen können wir das, was wir besitzen, nicht wirklich. Dafür haben wir gar nicht die Zeit. Außerdem ist ja immer das, was wir haben, was uns nah, bekannt und vertraut ist, vergleichsweise uninteressant. Wenn das nicht so wäre, würde sich eine Sättigung, Zufriedenheit oder gar Glück einstellen. Der Mangel wäre aufgehoben, Probleme - also Unterschiede zwischen Soll und Ist - gelöst.

Damit “die Wirtschaft funktioniert”, muss aber das, was wir noch nicht haben, spannender sein, als das, was wir haben, der ultimative Kick, den uns ein neues Produkt verspricht, uns zum kaufen treiben, und der Strand in Übersee, den wir noch nicht kennen, den uns aber ein unglaublich günstiger Reiseveranstalter nahe bringt, ein intensiveres Gefühl versprechen als der Urlaub am nahe gelegenen See.

Diese Sichtweise, die uns täglich eingeimpft wird, überträgt sich auch auf menschliche Beziehungen - mit fatalen Konsequenzen. Der Anspruch, dass mir die Beziehung zu einem anderen Menschen mit möglichst geringem Aufwand größtmöglichen Nutzen bieten soll, und die Vermutung, dass ein neuer “perfekter” Mensch besser sein wird, als der alte fehlerhafte, lässt viele Beziehungen scheitern. Wenn das neue “Produkt” da ist, stellen viele dann fest, dass es eben auch fehlerhaft ist. Sich und andere Menschen einfach so zu nehmen wie sie sind? Eine Zumutung. Wo heute doch jeder die Möglichkeit hat, klüger, schneller, dünner und überhaupt attraktiver zu sein. Selbst schuld, wer davon keinen Gebrauch macht.

Viele Menschen sind so weit von sich selbst entfernt, dass ihnen das Gefühl dafür, was ihnen gut tut und was nicht, über weite Strecken abhanden gekommen ist. Das macht es nicht einfacher, in einer Beziehung die eigenen Wünsche und Bedürfnisse und die Wünsche und Bedürfnisse des anderen zu erkennen und ihnen gerecht zu werden. Es gibt Ansätze zur Entdeckung, die aber nicht wirklich weit verbreitet sind. Beispielsweise bietet der “Erfinder” der gewaltfreien Kommunikation Marshall Rosenberg ein Hilfsmittel an, um sich in der Kommunikation mit anderen tatsächlichen Wünschen und Bedürfnissen zu nähern.

Zurück zum Konsum: Immer mehr Handy, Autos, Bohrmaschinen, Lebensmittel (von denen wir durchschnittlich 30% in Europa und 40% in den USA wegwerfen), Schönheitsoperationen, Quietscheenten, Flugreisen. Vor diesem Hintergrund auf - wie unsinnig auch immer berechnete - Wirtschaftswachstumszahlen zu schauen, ist nicht nur nicht schlau, es ist absurd. Dieses Schauspiel wird uns aber alljährlich wieder mit ernster Miene von “Wirtschaftsweisen” und gläubigen Politikern präsentiert.

Immer mehr Güter und Dienstleistungen bedeuten aber nicht nur immer mehr direkten Energie- und Rohstoffverbrauch. Die heutige Organisation der angeblich hocheffizienten und arbeitsteiligen Weltwirtschaft sorgt für eine immer stärkere Entkoppelung von Erzeugung und Verbrauch und bei steigenden Gütermengen auch für immer mehr energieaufwändigen Transport.

Gleichzeitig wird es für die Konsumenten nahezu unmöglich, Mit-Verantwortung für Produktionsbedingungen zu übernehmen (siehe z.B. die Seite Slavery Footprint und Agraprofit). Folge sind unter anderem regelmäßig Lebensmittelskandale oder humanitäre Katastrophen wie in den Textilfabriken in Bangladesh. Versuche, dem durch nationalstaatliche Regelungen oder internationale Abkommen zu begegnen, waren bislang kaum erfolgreich.

Aber sind diese Zustände nicht eine Folge der egozentrischen Betonung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse a la “Geiz ist Geil”? Und geht es nicht darum, eigene Wünsche und Bedürfnisse zurückzustellen, zu verzichten, damit alles besser wird? Nicht unbedingt oder sogar - eher nicht. Die Beantwortung der Frage nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen mündet nicht automatisch in egozentrische Gleichgültigkeit gegenüber den Wünschen und Bedürfnissen anderer. Sie beinhaltet die Berücksichtigung der anderen, sofern die anderen nah genug und sichtbar sind. Sie berücksichtigt die Gemeinschaft, nicht nur, aber auch weil sich wesentliche Wünsche und Bedürfnisse von Menschen nur in der Gemeinschaft erfüllen.

Die heutige Weltwirtschaft schafft eine glatte Marketingoberfläche, die das jeweilige Produkt von den ökologischen Schäden und dem menschlichen Elend entkoppelt, das es erzeugt, und die über den Kauf des Produkts vermeintliche oder tatsächliche Akzeptanz in den für relevant gehaltenen Beziehungen und Gruppen verspricht. Diese Weltwirtschaft kann in weiten Teilen nur von multinationalen Konzernen organisiert werden. Sie hebeln einzelstaatliche Umwelt-, Arbeits- und Steuerregime aus und schöpfen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Erträge ab - hocheffizient für einige wenige.

Sie dringen bis in den letzten Winkel vor, bringen Menschen dazu sich Orangensaft-Packungen in den Kühlschrank zu stellen, während vor ihrer Tür die Orangen von den Bäumen fallen, versorgen - trotz lokal verfügbarer Alternativen - den letzten Hühnerstall mit genveränderten Futtermitteln und saugen mit überall verfügbaren Softdrinks Geld aus der letzten Dorfkneipe. Damit einher geht eine kulturelle Zerstörung, die die tatsächliche Nähe und die wirklich kurzen Wege als antiquiert erscheinen lassen. Auf der anderen Seite flimmert den Menschen aus den Fernsehbildschirmen eine Marketingoberfläche von unberührter Natur, bodenständiger Landwirtschaft und echten, unverfälschten Menschen und Gemeinschaft entgegen.

Was passiert, wenn wir die langen Energieketten von den wenigen Lagerstätten von Kohle, Uran, Erdöl und Erdgas zu den unzähligen über die Welt verteilten Verbraucher, zerbrechen wollen, indem wir erneuerbare Energien in der Fläche ernten? Das hat der Vordenker für erneuerbare Energien Hermann Scheer bereits in seinem Buch “Solare Weltwirtschaft” beschrieben. Wie vom Dealer angefüttert, sind wir in allen zentralen Lebensbereichen in Abhängigkeiten geraten. Es treibt uns den Schweiß auf die Stirn, wenn wir anfangen darüber nachzudenken, was passiert, wenn uns jemand den Stecker zieht - wenn die “Stromlücke” kommt, weil wir auf selbsterzeugte erneuerbare Energien umsteigen statt im alten System atomarfossiler Großkraftwerksversorgung zu bleiben.

Die Angriffe auf die Vision einer Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien sind massiv. Sie sind deshalb so massiv, weil eine Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien die Geschäftsmodelle der Energiekonzerne, die auf den langen Energieketten - der Trennung von Erzeugung und Verbrauch - aufbauen, zerstören.

Erzeugung und Verbrauch wieder zusammenbringen wie es der Bundesverband der Regionalbewegung propagiert, wie es die Nutzung der erneuerbaren Energien in der Fläche (nicht Desertec!) automatisch mit sich bringt, wie Franz Schreier kleinräumig Energie- und Nahrungsmittelproduktion wieder miteinander zu verknüpfen, Transporte zu vermeiden, Transparenz zu erzeugen und Wertschöpfung wieder in die Region zurück zu holen, ergibt einen Sinn.

Der Boom von Energiegenossenschaften, die “Urban Farming“-Bewegung, der Zulauf zu den Gruppen, die sich mit Gemeinwohlökonomie befassen, zeigen, dass es offensichtlich ein Bedürfnis gibt, direkt Einfluss zu nehmen, die Kontrolle über die Dinge durch eigenes Handeln wieder zu gewinnen, in einem lokalen oder regionalen überschaubaren Zusammenhang gemeinsam mit anderen Gemeinschaft zu leben, zu arbeiten und sinnvolle Produkte in fairen und ökologisch verantwortbaren Prozessen zu erzeugen. Alte Modelle wirken plötzlich wieder erstaunlich modern.

Diese Modelle haben das Potential, Keimzellen einer Re-Demokratisierung der Gesellschaft zu sein. Allerdings zeigt sich bei der praktischen Umsetzung an vielen Stellen, dass geeignete, einfache Instrumente und die Übung in wirklich demokratischer Selbstorganisation fehlen. Also die Frage, wie eine Gruppe von Individuen ausgehend von den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen Einzelner zur bestmöglichen Unterstützung ihrer gesellschaftlichen Verwirklichung kommen.

Wo aber werden Menschen in ihrem Leben systematisch “geerdet”, das heisst darauf gelenkt, sich mit der Frage zu beschäftigen, was sie wirklich brauchen und was sie glücklich macht? In der Schule, in der Ausbildung, im Studium? Fehlanzeige. Das wird nirgends systematisch geübt. Bei dieser wichtigen Frage versagt das aus vielen Gründen attackierte Bildungssystem nahezu vollständig. Im Mittelpunkt steht in der Regel nicht die Begleitung des einzelnen jungen Menschen auf dem Weg zu einer als persönlich sinnvoll empfundenen Lebensgestaltung. Das Bildungssystem ist heute darauf ausgerichtet, junge Menschen als Einzelkämpfer für tatsächliche oder vermeintliche Anforderungen “des Arbeitsmarktes” und “die Wirtschaft” fit zu machen. Es ist ebenso wie früher darauf geeicht, ein möglichst geräuschloses Einfügen ins bestehende System zu ermöglichen - nur dass das bestehende System heute ein anderes ist.

Aber wenn der Einzelne nicht gelernt hat, seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse und den positiven Wert echter Gemeinschaft zu erkennen, sich in Teams und Projekten zu organisieren und in faire gesellschaftliche Prozesse einzubringen, um diese Wünsche und Bedürfnisse gemeinsam mit anderen zu erfüllen, wird es schwierig mit Selbstorganisation und Demokratie. Wenn das überhaupt gelingen soll, muss es später erst mühsam erlernt werden. Auch die Erfahrung mit der Organisation von Runden Tischen Energie in Kommunen, zeigt, wie wenig selbstverständlich und eingeübt solche Aktivitäten sind.

Was macht uns glücklich? Dazu gibt es umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Eine Zusammenstellung findet sich z.B. in dem Buch “Glück - World Book of Happiness”. Die meisten Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass ab einem bestimmten materiellen Niveau, bei dem die Grundbedürfnisse gedeckt sind, ein weiterer Zuwachs an Geld nicht mehr wesentlich glücklicher macht. Sehr wohl aber macht z.B. glücklich: die Möglichkeit im Hier und Jetzt zu leben und “einfach man selbst zu sein”, das Gefühl, das eigene Leben selbst gestalten zu können, eine überschaubare Zahl an wirklich guten Freunden, positive Gemeinschaft erleben, eine Tätigkeit ausüben, die einen Sinn ergibt… Das ist häufig mit einem vergleichsweise extrem geringen Energie- und Ressourcenaufwand möglich.

Die Frage nach unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen und nach dem, was uns wirklich glücklich macht, kann auf den ersten Blick wie eine gesellschaftlich unbedeutende und egozentrische Psycho-Wohlfühl-Nabelschau erscheinen - fernab von energiewirtschaftlichen Fragestellungen. Aber nur auf den ersten Blick. Sie bietet einen Schlüssel zur Transformation - nicht nur für unser eigenes Leben, sondern für die Gesellschaft, die wirtschaftlichen Systeme und den Umgang mit globalen Herausforderungen.

Je eher wir uns bewusst sind, was uns glücklich macht, umso besser können wir entscheiden, mit welchen Mitteln Wünsche und Bedürfnisse, mit denen wir dieses Glück erreichen, zu erfüllen sind. Ökonomisches Verhalten wäre dann - ganz in seiner ursprünglichen und nicht wachstumsentstellten Bedeutung - die Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen mit möglichst knappen Mitteln zu erreichen. Arbeit wäre dazu da, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen (direkt und indirekt) und einen sinnvollen Beitrag dazu zu leisten, dass andere ihre Wünsche und Bedürfnisse ebenfalls erfüllen können. Und Demokratie wäre ein Prozess, um Wünsche und Bedürfnisse Einzelner in einem fairen Verfahren miteinander abzugleichen und ihre möglichst weitgehende Erfüllung gesellschaftlich zu organisieren.

Völlig utopisch - oder?

1 Kommentar zu „Was wir brauchen“

  1. Daniel Bannasch sagt:

    Kaum ist der Blogbeitrag veröffentlicht, schon beruft Frau Merkel eine Konferenz ein :-); siehe hier: http://www.stern.de/politik/deutschland/wohlfuehl-indikator-statt-bip-frau-merkel-sucht-das-glueck-2020225.html und hier: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2013/05/2013-05-13-int-deutschl-forum.html

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