Es geht ums Ganze: Sonne statt Kohle!

Heute meldet die Süddeutsche Zeitung “Energie-Konzerne wollen Kraftwerke stilllegen“. Sie drohen mit einer Gefährdung der Versorgungssicherheit (siehe auch “Das Gespenst vom Blackout” und “Die dreiste Erpressung der Stromkonzerne“). Und Rösler und Brüderle fordern, die “Energiewende neu zu starten” (siehe auch “Wer sind die Chefbremser der Energiewende?“). Was heisst das? Wenn kein Druck für 100% Erneuerbare aufgebaut wird, müssen wir damit rechnen, dass das Erneuerbare Energien-Gesetz und damit ein zentraler Baustein der Energiewende nach den Wahlen nicht sinnvoll modifiziert, sondern insgesamt platt gemacht wird. Es geht ums Ganze! Sonne statt Kohle! Erneuerbare Zukunft statt fossile Vergangenheit. Klimaschutz statt Klimakiller. Millionen dezentrale Anlagen statt wenige zentrale Großkraftwerke. Moderne, flexible Systeme statt schwerfällige Dinosaurier. Arbeitsintensive regionale Wertschöpfung statt Arbeitsplatzabbau für Kapitalrendite-Denken. Heimische Erneuerbare statt Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung weltweit. Energie-BürgerInnen statt Energie-Konzerne.

Wäre die Photovoltaik - so wie im letzten Jahr - mit 7 GW pro Jahr noch zehn Jahre weiter ausgebaut worden, gäbe es im Sommer nicht nur keine Mittagsspitze mehr, sondern keinen Bedarf an Kohle- und Atomkraftwerken. Das zeigt auch die Graphik zu Stromeinspeisung und -verbrauch von Agora Energiewende (s.o.). Der ungebremste weitere Ausbau der Photovoltaik ist die stärkste Lobby, die wir haben, damit energiewirtschaftliche Regelungen endlich so getroffen werden, dass sie auf 100% Erneuerbare Energien hinführen. Die Infrastruktur, die dazu passt, muss gefördert werden (siehe auch hier). Dazu müsste man aber die Energiewende ernsthaft wollen und auch entsprechend handeln. Es kann nicht darum gehen, einem alten Großkraftwerksbestand oder unsinnigen Neubauten wie dem Kohle-Block 9 im GKM in Mannheim auf Jahrzehnte eine erträgliche Rente abzusichern.

100% Erneuerbare Energien bedeuten zwingend eine Verdrängung atomar-fossiler Großkraftwerke. Wir sind also auf dem richtigen Weg, wenn die Energieversorger jetzt Stilllegungen ankündigen. Da der Atomausstieg schon beschlossen ist, kann es jetzt vereinfacht heissen: Sonne statt Kohle!

Warum? Solarenergie ist DIE Bürgerenergie (siehe hier und hier). Von der Sonne leiten sich alle erneuerbaren Energien - außer der Geothermie und Gezeitenenergie- ab. Ohne Sonne keine Wasserkraft, keine Bioenergie, keine Windenergie. Und ohne ein vernünftiges EEG “schauen alle Erneuerbaren in den Kohleofen”.

Bei einem schnellen Ausbau der Erneuerbaren Stromproduktion können sinnvoll nur noch flexibel regelbare Module ergänzend eingesetzt werden: z.B. Gaskraftwerke, Speicher und Lasten, die Strom dann aus dem Netz ziehen, wenn er im Überschuss vorhanden ist. Technisch ist das möglich (siehe auch “Weiter machen: Energiewende jetzt!“). Nur: Vieles davon rechnet sich im Moment aufgrund völlig verzerrter Rahmenbedingungen im Energiemarkt kaum. Solange Atom und Kohle direkt oder indirekt massiv subventioniert werden, ist es für die Erneuerbaren schwierig zu zeigen, wie billig sie im Vergleich sind (siehe auch hier und hier). Solange fallen auch flexible Gaskraftwerke hinter runter und virtuelle Kraftwerke leisten nur einen Bruchteil von dem, was sie leisten könnten.

3 Kommentare zu „Es geht ums Ganze: Sonne statt Kohle!“

  1. Daniel Bannasch sagt:

    Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch den Beitrag “Sabotage der eigenen Klimapolitik”: http://www.energiezukunft.eu/umwelt/politik/sabotage-der-eigenen-klimapolitik/

  2. Daniel Bannasch sagt:

    Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang den Beitrag “Renaissance der Kohle”: http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/14143-renaissance-der-kohle

  3. Daniel Bannasch sagt:

    Interessant in diesem Zusammenhang die Greenpeace-Aktion “Sonne statt Braunkohle”: http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/sonne_statt_braunkohle_herr_christoffers-1/

Kommentieren