Anarchie und Horror durch Solarmonster

Wissen Sie was ein Solarmonster ist?Eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale zeigt, dass die Bürger die Energiewende wollen und sich vor allem wegen der (bewusst inszenierten) Preisentwicklung Sorgen machen. Wir werden die Energiewende nach wie vor gegen starke Lobbyisten durchsetzen müssen. Es ist deshalb entscheidend, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: den Rahmen für den zügigen Ausbau der Erneuerbaren - insbesondere im Bereich der Wind- und Solarstromproduktion - erhalten und fortentwickeln. Wenn sich zwei Kämpfer für die Energiewende streiten, freut sich vor allem die Atom- und Kohlelobby. Stark sind wir nur, wenn wir uns einig sind. Differenzen im Einzelnen sollten wir im Augenblick zurückstellen. Gemeinsamkeiten gibt es genug!

Die Suche nach der für das ganze Land besten Lösung in Sachen Energiewende wird man bei der aktuellen Bundesregierung nicht erwarten dürfen - im Gegenteil. Wenn man sieht, wer in den vergangenen Jahren wem wie viel Geld zur Verfügung gestellt hat (siehe hier), braucht man sich z.B. über die Einflussnahme der Bundesregierung bei der Ausgestaltung einer CO2-ärmeren Mobilität, einer Großbaustelle der Energiewende, nicht zu wundern - siehe Artikel “Merkel ist der Autolobby zu Diensten“. Die Deutsche Umwelthilfe hat jetzt erfolgreich geklagt, um Akteneinsicht bezüglich der Lobbyeinflussnahme zu erhalten (siehe auch hier).

Ob die Energiewende mit einer Regierung unter SPD-Beteiligung besser da stehen würde, darf bezweifelt werden. Mindestens hat die SPD beim Thema Energie zwei Seelen in ihrer Brust (siehe auch hier). Über einen gemeinsamen Auftritt von SPD-Chef Sigmar Gabriel mit dem Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka wird in der Berliner Morgenpost folgendermaßen berichtet:

Hatakka nickt oft, wenn Gabriel die deutsche Energiepolitik beschreibt. Gabriel schließt sich meistens der Meinung Hatakkas an, wenn der Manager seine Schwierigkeiten mit der Energiewende beschreibt. “Wir haben ein Monster auf die Beine gebracht”, sagt Hatakka zum unkontrollierten Ausbau der Solaranlagen in Deutschland. “Wir haben wirklich Anarchie in diesem Bereich”, stimmt SPD-Chef Gabriel zu.

Wenigstens stehen die Bürger offenbar hinter der Energiewende. Das ist die entscheidende Aussage einer Umfrage (Kurzfassung und Langfassung) des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Größtes Problem bei der Energiewende sind gemäß der Umfrage nach Ansicht der Bürger die Energiepreise. Offenbar hat das Preisargument bei den Bürgern verfangen, sie aber nicht von ihrer grundsätzlichen Zustimmung zur Energiewende abgebracht.

Hier muss man ansetzen. Denn das Preisargument ist von der Großkraftwerks-Lobby gezielt inszeniert, um die Zustimmung zur Energiewende zu torpedieren. Wie schräg die auf die Strompreisdebatte verkürzte Energiepreis-Diskussion ist, zeigt z.B. ein Beitrag von Tina Ternus “Das EEG-Umlagemärchen“, der auch bei den Energiebloggern veröffentlicht ist. Interessant in diesem Zusammenhang auch die - immer noch aktuelle - Kampagne zur “Strompreislüge” des Umwelt-Instituts München (Flyer) und ein offener Brief von Franz Alt an Herrn Altmaier.

Der aktuelle Knackpunkt der Energiewende ist der zügige Ausbau von Wind- und Solarstromproduktion. Windräder kann man durch viele Maßnahmen aufhalten (siehe z.B. “Rückenwind für Bayern“). Den Ausbau der Solarstromproduktion aufzuhalten, dürfte viel schwieriger werden. Und Solarstrom wird den Großkraftwerksbetreibern viel schneller gefährlich. Deshalb verläuft die wichtigste Frontlinie jetzt zwischen Solar- und (durch die unwirksam gestalteten CO2-Zertifikate billig gehaltenem) Kohlestrom (siehe auch Beitrag “Sonne statt Kohle“ und hier). Wie sehr der Ausbau der Erneuerbaren Energien den Großen zu schaffen macht und in Zukunft noch machen wird, beschreibt der Artikel “Das blaue Wunder” im Manager-Magazin - mit “Solarstrom billiger als Atomstrom” würde eine Horrorvorstellung der Energiekonzerne Realität.

Grundsätzlich aufhalten wird man die dezentrale Energiewende wohl nicht mehr, möglicherweise aber um entscheidende Jahre verzögern.

Worum geht es jetzt? Die Energiewende mit vielen kleinen Davids gegen einige große Goliaths und ihre Lobbyisten weiter schnell voran zu treiben.

Entscheidend ist, dass die Befürworter der Energiewende sich aufs Wesentliche konzentrieren, sich nicht in Einzelheiten verzetteln, keine Grabenkämpfe veranstalten und durchsetzen, dass der Rahmen für die Energiewende so justiert wird, dass der Anteil der Erneuerbaren an der Energieversorgung bei gerechter Verteilung von Kosten und Gewinnen zügig weiter steigen kann (siehe in diesem Zusammenhang auch die persönliche Erklärung des ehemaligen, langjährigen Landesvorstands des BUND Rheinland-Pfalz, Ulrich Mohr).

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