Energie-w-ende in Deutschland

Es sieht derzeit nicht gut aus für 100% erneuerbare Energien in Deutschland. Das liegt weniger an realen Problemen beim Umbau der Energieversorgung als an einer medialen und politischen Inszenierung sondergleichen. Vernünftige Analysen dazu gibt es (z.B. ganz frisch das DUH-Papier “Energiewende oder Energiewendeende” von Gerd Rosenkranz und “Energethische Gedanken zur Wahl” von Henrik Paulitz von IPPNW). Es ist wichtig, dass sie eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Wir können alle dazu beitragen - als BürgerInnen, Organisationen, UnternehmerInnen, JournalistInnen und PolitikerInnen von der Kommune bis zur Bundesebene.

Der Medienchor singt weiter gegen die Energiewende (siehe FAZ-Artikel “Zu viel ist zu viel”). In Bayern hat die Anti-Windkraft-Partei CSU (siehe “Rückenwind für Bayern”) die absolute Mehrheit erreicht. Und im Bundestags-Wahlkampf hat bislang keine Partei, nicht einmal die Grünen, das Thema 100% Erneuerbare (bzw. die mittlerweile zum Unwort gewordene “Energiewende”) in den Mittelpunkt gestellt und die Dinge gerade gerückt - obwohl 80% der Bürger der Energiewende positiv gegenüber stehen.

Die gigantischen Schäden der atomarfossilen Energieversorgung (siehe z.B. IPPNW-Flyer) und die Subventionen für diese Energien (siehe hier) sind in der öffentlichen Diskussion völlig aus dem Blickfeld geraten.

Die EEG-Umlage wurde von der Mücke zum Megamonster aufgeblasen - vor allem wegen des massiven Ausbaus der Photovoltaik, der den alten atomarfossilen Großkraftwerkspark untauglich und unwirtschaftlich macht (siehe auch “Es geht ums Ganze: Sonne statt Kohle“).

Es ist ein Phänomen, wie es nach Fukushima der alten Atom- und Kohlelobby gelungen ist, erst den Begriff Energiewende zu besetzen, um dann das EEG als Grund für tatsächliche soziale Schieflagen und die vermeintliche De-Industrialisierung Deutschlands zu inszenieren und das Thema insgesamt durch eine Mischung aus Handeln und Nichts-Tun vor die Wand zu fahren (siehe hierzu insbesondere das DUH-Papier und den Blogbeitrag “Die große Attacke“). Und jetzt präsentiert sich diese Lobby als Retter der Energiewende. So als würde Putin ständig betonen, wie wichtig ihm die Demokratie in Russland sei, weshalb er den Missbrauch der Demokratie durch einige Bürger bekämpfen müsse - zur Rettung der Demokratie versteht sich.

Im Augenblick muss man vor allem hoffen, dass sich bürgerschaftliche Organisationen, innovative Unternehmen und fortschrittliche Regionen in der nächsten Zeit - vor und nach der “Wahl ohne Alternative” - wesentlich aktiver als bisher in die Bundespolitik einmischen werden (wie z.B. im offenen Brief an Angela Merkel und Peter Altmaier vom Bodensee), wenn es darum geht, die Entwicklung in Richtung 100% erneuerbare Energien in Deutschland weiter voran zu bringen (siehe auch: “Was Sie tun können, damit es mit der Energiewende weiter geht“). Mal sehen, wie die Stimmung bei der Konferenz “100% Erneuerbare Energien-Region“ am 24./25. September in Kassel dazu ist.

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