BASF: The Oil & Gas Company

Nachhaltiges Wirtschaften heißt für uns, ökonomischen Erfolg mit ökologischer und gesellschaftlicher Verant­wor­tung in Einklang zu bringen. So sichern wir langfristig unseren unternehmerischen Erfolg.“ Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender BASF SE (s. Sustainable Development bei der BASF)

Der Vorstandsvorsitzende der BASF Kurt Bock hatte anlässlich der Vorstellung der Zahlen für das 3. Quartal 2013 die Bundesregierung aufgefordert, bei der Energiewende gegenzusteuern (siehe “Energiewende als Sündenbock“). Bereits 2010 hatte der damalige BASF-Vorstandsvorsitzende Hambrecht gemeinsam mit RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall einen Appell des Vereins “Energiezukunft für Deutschland” mit dem Titel “Realistisch bleiben: Deutschland braucht weiter Kernenergie und Kohle” unterzeichnet (siehe “Wir gründen mal einen Verein“). Am 30.10.2013 war nun in der FAZ im Artikel “Schiefergas: BASF will Fracking-Test in Deutschland” zu lesen:

Der Vorstandschef der BASF will beweisen, dass der Abbau von Schiefergas in Deutschland sicher ist. Deshalb fordert er einen Test des umstrittenen Fracking (…) Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF kennt sich mit Gas aus. Kurt Bock lässt es durch eine Konzerntochtergesellschaft fördern – und sein Unternehmen verbraucht auch selbst viel Energie. Zudem ist die BASF auf der ganzen Welt tätig. Insofern sind für den Konzern aus Ludwigshafen die Energiepreise auf der ganzen Welt relevant. Eine neue Ammoniak-Anlage baut das Unternehmen deshalb lieber in den Vereinigten Staaten.

Dort sind die Gaspreise viel niedriger als hierzulande, weil sich die Amerikaner entschieden haben, die Schiefergas-Fördertechnik mit dem Namen „Fracking“ in großem Stil anzuwenden. Dadurch erlebt Amerika derzeit einen industriellen Aufschwung. Und BASF-Vorstandschef Bock findet deshalb, dass auch Deutschland seine in tiefen Gesteinsschichten lagernden Energiereserven nicht ungenutzt lassen sollte. (…)

Schon in der vergangenen Woche hatte Bock zur Vorlage der jüngsten Quartalszahlen gesagt, dass BASF 500 Millionen Euro mehr Gewinn im Jahr machen könnte, würde der größte Produktionsstandort Ludwigshafen von den Schiefergas-Preisen der Vereinigten Staaten profitieren (F.A.Z. vom 26. Oktober). Tatsächlich kostet Gas in Deutschland aber fast dreimal so viel wie in den Vereinigten Staaten. Und trotz der Befreiung von der EEG-Umlage und des konzerneigenen Energielieferanten Wintershall ist dieser Unterschied nach den Worten von Bock auch in Ludwigshafen zu spüren: „Denn wir zahlen auch konzernintern Marktpreise, höchstens mit einem kleinen Mengenrabatt.”

Dazu einige Schlaglichter:

Wintershall ist eine 100%ige Tochter der BASF. In der eigenen Darstellung heisst es:

Als größtes deutsches Unternehmen der Öl- und Gasförderung konzentrieren wir uns bei der Exploration und Produktion auf öl- und gasreiche Regionen in Europa, Nordafrika, Südamerika, Russland und den Raum am Kaspischen Meer. Gemeinsam mit unserem russischen Partner Gazprom sind wir in Europa im Transport und in der Speicherung von Erdgas sowie im Erdgashandel aktiv.

Im Jahr 2012 hatte Wintershall 2.000 Mitarbeiter. Das entspricht 2% der BASF-Gesamtmitarbeiterzahl von 110.000. Damit machte Wintershall rund 12 Mrd. EUR Umsatz. Das sind gut 15% des BASF-Gesamtumsatzes von 72 Mrd. EUR. Das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen von Wintershall lag 2012 bei 1,9 Mrd. EUR, was knapp 30% des Gesamt-Betriebsergebnisses der BASF vor Sondereinflüssen von 6,6 Mrd. EUR ausmachte (siehe “BASF auf einen Blick” und “Oil and Gas” auf den Internetseiten des Unternehmens). Umgerechnet pro Kopf entfällt auf einen Wintershall-Mitarbeiter ca. 1 Mio. EUR Anteil am Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen, während dieser Betrag beim Rest der BASF-Mitarbeiter nur ca. 40.000 EUR beträgt.

Es ist also anzunehmen, dass das Wohlergehen von Wintershall der BASF in besonderer Weise am Herzen liegt. Ein schnelle und vollständige Ablösung fossiler Energieträger steht vermutlich nicht ganz oben auf der Agenda.

“Beim Thema Energie wirken die Nachhaltigkeitsaussagen der BASF wie Folklore,” meint Daniel Bannasch, Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar. “Immer wieder hat sich die BASF für ein Festhalten an der hergebrachten Energieversorgung stark gemacht. An einer schnellen und vollständigen Ablösung der atomarfossiler Energiequellen hat sie ganz offensichtlich kein Interesse. Das ist für die Metropolregion Rhein-Neckar auch deshalb besonders problematisch, weil es eine enge Verbindung zwischen der BASF, der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und dem Verein “Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar” gibt und dort auch zahlreiche Aktivitäten zum Thema Energie angesiedelt sind.”

Der heutige Geschäftsführer der GmbH und des Vereins Rainer Lowack war Leiter der globalen Führungskräfteplanung und -entwicklung der BASF und “arbeitete eng mit dem früheren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der BASF, Eggert Voscherau, zusammen, der als “Motor der Metropolregion Rhein-Neckar” gilt” (siehe hier). Zu den Partnern und Sponsoren der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH zählen auch andere Groß-Unternehmen, die nicht für eine zukunftsfähige Ausrichtung der Energieversorgung stehen (siehe “Partner und Sponsoren“, “Lobbypedia“, “Lobbyisten in Ministerien” und hier).

Wintershall ist übrigens nicht die einzige Ölgesellschaft in der Region. So haben die miteinander verbundenen Firma “Rheinpetroleum” und “Deutsche Rohstoff AG” ihren Sitz in Heidelberg und wollen in der Metropolregion Rhein-Neckar neue Ölquellen erschliessen (siehe: “In der Sonnenstadt wird weiter nach Öl gesucht” und “Erdölfieber flammt wieder auf“).

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