Wie es gehen könnte…

In diesen Tagen wird vor dem Hintergrund der Festlegungen im Koalitionsvertrag und den Plänen zur Zukunft von EEG und Energiemarkt viel über die Zukunft der Energieversorgung diskutiert (siehe “Energiemarkt-Reform: Der große Basar” und “Erneuerbare Energien im Strommarkt“). Hier wird ein Modell skizziert, wie der Umbau der Energieversorgung in Deutschland mit einfachen, verfügbaren Mitteln organisiert werden könnte.

Der Beitrag ist etwas länger, integriert dafür aber einige - sonst meist getrennt dargestellte - Aspekte, die in der Verknüpfung neue Perspektiven jenseits der üblichen Argumentationsfronten eröffnen. Die wesentlichen Punkte sind:

  • Wind- und Solarstrom sollten (anders als im Koalitionsvertrag vorgesehen) schnell und massiv weiter ausgebaut werden. Dafür wird ein Finanzierungsmodell vorgeschlagen.
  • die Strom-Wärme-Schranke in den Köpfen sollte schnell überwunden werden
  • die Nutzung von Biogas und die Vergütung der Verstromung sollte radikal verändert werden
  • Blockheizkraftwerke sollten systematisch in virtuelle Netzwerke eingebunden werden und mit ausreichenden Wärmespeichern versehen sein. Sie sollten nicht als dauerlaufende Stromproduzenten, sondern als Notstromaggregate eingesetzt und als Infrastrukturinvestitionen betrachtet und finanziert werden.
  • es wird in Frage gestellt, dass ein Netzausbau mit großen neuen Nord-Süd-Trassen erforderlich ist und konventionelle Großkraftwerke über Kapazitätsmärkte alimentiert werden müssen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
  • es wird skizziert, wie eine mögliche radikale Veränderung der Automobilproduktion und -nutzung in Kombination mit einer Optimierung im Stromnetz aussehen könnte.

Viele der hier dargestellten Überlegungen wurden im Rahmen des Projektes BEE-Mobil (Infoblatt, S.19-24, hier anklicken) oder durch Diskussionen bei den Energiebloggern angestossen. Sie finden sich zum Teil bereits in älteren Blog-Beiträgen, u.a. in “Die großen Linien stimmen nicht“, “Weiter machen: Energiewende jetzt!“ oder in dem Projekt Kombikraftwerk, zu dem es einen guten Film gibt (hier anklicken).

In diesem Beitrag kommen allerdings einige weitere Überlegungen und Verknüpfungen hinzu, die deutlich machen sollen, dass ein schneller und fließender Systemwechsel zu 100% erneuerbaren Energien mit heute verfügbaren Techniken gut möglich ist. Insbesondere könnten die Kosten des hier skizzierten Modells geringer und die gesellschaftliche Akzeptanz deutlich höher sein, als bei anderen Optionen. Technische Innovationen wären willkommen, aber nicht zwingend erforderlich.

Es gäbe allerdings auch große Verlierer und damit mächtige Gegner: die alte atomarfossile Energiewirtschaft und Teile der heutigen Automobilindustrie. Sie haben bereits massiv auf die Ausgestaltung des Koalitionsvertrags Einfluss genommen haben (siehe auch: Energielobbytik der CSPDU) und werden weiterhin versuchen, alles zu verhindern, was ihren Interessen zuwider läuft.

Die Bremser argumentieren, ein schneller Umbau sei technisch nur schwer machbar, gefährde die Versorgungssicherheit und koste zu viel.

Diese Aussagen muss man vor dem Hintergrund betrachten, dass wir im Jahr 2012 gut 93 Mrd. EUR (3,5% des Bruttoinlandsprodukts) für den Import fossiler Energieträger ausgegeben haben (siehe z.B. “Die Kosten fossiler Energieimporte 2000-2012“) - ganz überwiegend für Öl und Gas aus politisch hoch problematischen Regionen.

Das ist der Kuchen, von dem auch die BASF und ihre Aktionäre ein dickes Stück bekommen (siehe “BASF - The Oil and Gas Company“) - was offenbar aber der Stadt Ludwigshafen wenig hilft, in der die BASF ihren Sitz hat. Ludwigshafen hat den dritthöchsten Schuldenstand pro Einwohner in einem Städtevergleich in Deutschland (siehe “Verschuldung der deutschen Großstädte 2010 bis 2012“).

Nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energien wurden 2011 durch die Nutzung Erneuerbarer Energien rund 11 Mrd. EUR Ausgaben für Energieimporte und 9 Mrd. EUR externe Kosten vermieden (siehe BEE). Bei der Nutzung erneuerbarer Energien bleibt in der Regel ein großer Teil der Wertschöpfung vor Ort. Die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien ist damit eines der größten denkbaren regionalen Wirtschaftsförderungsprogramme - und keine Last, wie es immer wieder bei den unsäglichen CO2-Zertifikate-Diskussionen beim ohnehin nicht funktionierenden Emissionshandel behauptet wird (siehe dazu auch EUROSOLAR). Je schneller wir von atomaren und fossilen Energien weg kommen, umso besser.

“Wie es gehen könnte…” ist ein Diskussionsbeitrag. Er mag gravierende Denkfehler und Fehleinschätzungen im Detail enthalten. Um Kommentare, die auf solche Denkfehler und handwerkliche Schwächen hinweisen, wird ausdrücklich gebeten. Nachträgliche Änderungen und Ergänzungen des Blogbeitrag sind nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich.

Hier die Überlegungen Schritt für Schritt:

100% EE zwingend: Die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien ist aus eine Reihe von Gründen, die bereits an vielen Stellen ausführlich erläutert wurden, zwingend.

Optionen für 100% EE: Für die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien stehen uns prinzipiell folgende Umsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung: Erneuerbare (Biomasse, Wasser, Wind, Sonne, Geothermie), Einsparung und Effizienz.

Bewertung von Potentialen: Die Nutzung von Biomasse und Wasserkraft ist aufgrund natürlicher Gegebenheiten nur begrenzt ausbaubar. Geothermie hat ein hohes Potential, die Erschließung dieses Potentials ist aber mehr als ungewiss. Effizienz und Einsparung hat es “unter dem Strich” noch nie gegeben, d.h. Effizienz- und Einspargewinne, die es irgendwo gab, wurden an anderer Stelle wieder “aufgefressen”.

Wind und Sonne im Zentrum: Damit bleiben für die weitere Umstellung unserer Energieversorgung aufgrund der natürlichen Potentiale und der technischen Möglichkeiten zu ihrer Nutzung im Wesentlichen Wind- und Solarstrom. Sie werden damit im Zentrum der künftigen Energieversorgung stehen (siehe auch bei Agora Energiewende).

Ausbau Faktor 40: Da Wind- und Solarstrom zusammengenommen nur ca. 1/8 Anteil an der Stromerzeugung haben und Strom nur 1/5 Anteil an der Gesamtenergieversorgung hat, müsste die Erzeugung von Wind- und Solarstrom um den Faktor 8 x 5 = 40 ausgebaut werden, um zunächst rein mengenmäßig 100% erneuerbare Energien (nicht nur Strom!) bereit zu stellen. Das ist nicht gleichbedeutend mit einem Faktor 40 bei der Menge der Erzeugungsanlagen, weil moderne Anlagen wesentlich effizienter sind, als ältere.

Je mehr irgendwo eingespart, effizienter genutzt oder direkt thermisch bereit gestellt wird, umso weniger Ausbau bei Wind- und Solarstromanlagen wäre erforderlich.

Insbesondere können Elektromotoren, die vergleichsweise sehr effizient sind, in der Mobilität einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs und zur Ausregelung des Stromsystems leisten, wenn PKW auf geeignete Weise mit dem Stromnetz verknüpft werden (siehe auch weiter unten).

Kein Ausbremsen: Ganz gleich, ob wir zunächst einen Faktor 5, 10, 20 oder 40 beim Ausbau der Erzeugungskapazitäten für Wind- und Solarstrom anvisieren, bedeutet das, dass der Ausbau der Wind- und Solarstromerzeugung keinesfalls (wie im aktuellen Koalitionsvertrag vorgesehen) ausgebremst werden darf, sondern zügig weiter vorangetrieben werden muss. Das bedeutet, dass es weiterhin nicht nur im Ausnahmefall, sondern massenhaft attraktiv sein muss, Wind- und Solarstromanlagen zu bauen, und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen, damit der Bau von Anlagen auch tatsächlich stattfindet.

Warum bei Wind- und Solarstromerzeugung der Markt nicht problemlos funktioniert: Die Erzeugungskosten für Wind- und Solarstrom sind heute vergleichsweise schon sehr günstig und werden in Zukunft voraussichtlich noch günstiger werden. Da aber alle gleichartigen Anlagen (in einer Region) gleichzeitig einspeisen, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, wird in dieser Zeit automatisch der Strompreis am Markt absinken. Je mehr Anlagen installiert sind, umso stärker. Außerdem müssen Erneuerbare Energien mit einer hochgradig subventionierten atomarfossilen Energieversorgung konkurrieren (siehe dazu “Atomarfossile an den Markt heranführen“). Deshalb ist die Forderung falsch, dass sich neu installierte Anlagen “am Markt” refinanzieren sollen.

Sofern Eigenverbrauch günstiger ist als der Einkauf von Strom aus dem Netz, können Anlagen trotzdem wirtschaftlich sein. Das ist der Grund, warum sich der Zubau von Photovoltaik nicht mehr grundsätzlich aufhalten lassen wird - außer man verändert wesentliche Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung und Netznutzung, wie das in anderen Ländern bereits geschehen ist.

Modifizierte EEG-Vergütung: Damit der weitere Bau von Wind- und Solarstromanlagen (den wir aus Sicht des Gesamtsystems zwingend benötigen, s.o.) nicht nur im Einzelfall, sondern massenhaft attraktiv bleibt, sollte eine Vergütung gezahlt werden, die garantiert, dass sich der Bau der Anlagen in jedem Fall weiterhin lohnt - auch wenn kein Eigenverbrauch stattfindet. Das könnte in Anlehnung an das heutige EEG eine Förderung für Solar-, Wind- (und Wasserkraft-)strom mit x Cent mal y Kilowattstunden sein (also als Zahlung für ein begrenztes Kilowattstunden-Kontingent, wie es teilweise beim Windstrom bereits der Fall ist - nicht zwingend 20 Jahre lang wie im bisherigen EEG). Sinnvollerweise müssten dabei aber unterschiedliche Kapitalkosten bei weniger bevorzugten Standorten und längeren Refinanzierungszeiten berücksichtigt werden. Wegen der fehlenden Zeitkomponente würde sich aber gegenüber dem heutigen Modell eine etwas veränderte Betrachtung bezüglich guter und schlechter Standorte ergeben.

Von der gesicherten Anfangsfinanzierung zum Zweitmarkt: Mit einem solchen Modell wäre die Refinanzierung der Investition gesichert und es wäre kein Problem, die notwendigen Kredite zu erhalten, um die Anlagen zu finanzieren - anders als bei einer von Anfang an ungesicherten Finanzierung über Börsenstrompreise. Nach Ablauf der Vergütung (und NACH einer vollständigen Refinanzierung!) wären die Anlagen dem freien Markt überlassen (zum Vergleich siehe “Marktintegrationsmodell: Regeln und Anforderung ab 2014“). Sie könnten Strom dann zu sehr geringen variablen Kosten anbieten und würden damit zweifellos Abnehmer finden, die daraus Strom- und Wärmeprodukte (z.B. Warmwasser oder Industriedampf) machen. Das können Stadtwerke oder Bürgerenergie-Genossenschaften sein, die als Dienstleister für viele kleine und mittlere Erzeuger und Verbraucher ein optimiertes Gesamtsystem schaffen. Eine gesonderte Speicherförderung wäre möglicherweise überflüssig, weil sich der Aufbau von Speichern für diesen Zweitmarkt lohnen könnte.

Kein Aufbürden von Netz- und Speicherproblemen: Es ergibt prinzipiell wenig Sinn die Betreiber von Erzeugungsanlagen der kaum regelbaren Einspeisung von Wind-, Solar- und Wasserkraftstrom dazu zwingen, den erzeugten Strom unbedingt selbst zu verbrauchen, die Stromproduktion aus Wind- und Solarstrom “an den Markt heranzuführen” oder mit Speicher- und Netzausregelungsfunktionen unnötig zu belasten.

Diese Forderungen werden vorwiegend von denjenigen erhoben, die atomarfossile Großkraftwerke möglichst lange weiter betreiben und sich die - für sie geschäftsschädigenden - volatilen Preisbrecher Wind- und Solarstrom vom Hals halten wollen. Wer davon redet, die erneuerbaren Energien “an den Markt” heranzuführen, gehört meist zu denjenigen, die seit Jahrzehnten von massiven direkte und indirekten Subventionen für atomarfossile Energien profitiert (siehe auch “Atomarfossile an den Markt heranführen“). Außerdem versagt der Energiemarkt systematisch aus einer Vielzahl von Gründen und sorgt damit für ineffiziente Lösungen. Das kann nur über staatliche Eingriffe behoben werden (siehe auch “Marktversagen“).

Die Pläne des EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia zur Abschaffung des EEG zielen unter dem Deckmantel vermeintlich reiner Marktideologie auf eine Zerstörung des Ausbaus der erneuerbaren Energien (siehe “Almunia will Förderung der erneuerbaren Energien in EU stutzen“).

Regelmäßige Stromüberschüsse: Ein massiver Ausbau der Wind- und Solarstromerzeugung bedeutet, dass wir immer öfter mehr als 100% des heutigen Strombedarfs bereit stellen werden. Was tun mit den Überschüssen aus Wind- und Solarstrom?

In Frage kommt eine gezielte Erhöhung der Stromnachfrage in stromstarken Zeiten (und Absenken in stromschwachen Zeiten), eine Verteilung über gut ausgebaute Stromnetze in andere Regionen, Stromspeicherung oder ein Umlenken in sinnvolle andere Anwendungen. Eine Abregelung von Anlagen ergibt bei sehr geringen variablen Kosten im Bereich Wind, Solar (und Wasserkraft) wenig Sinn.

Strom-Wärme-Schranke überwinden: Rund 50% unseres Energiebedarfs wird für Wärme eingesetzt. Der Gedanke mit Strom zu heizen, fällt gerade vielen langjährig Umweltbewegten schwer. Um Überschuss-Strom aus erneuerbaren (nicht atomarfossilen!!) Energien sinnvoll zu nutzen, ist aber genau das erforderlich.

In einem allerersten Schritt würde zunächst eine Art Ringtausch stattfinden. Mit Überschuss-Strom aus erneuerbaren Energien würden Erd-Öl und Erd-Gas, die in Deutschland weite Teile der Heizenergie bereit stellen, ersetzt. Diese eingesparte Öl und Gas kann dann zu anderen Zeit zur Strom- (und Wärme-)Erzeugung in Blockheizkraftwerken eingesetzt werden kann. In einer weiterentwickelten Lösung wird dieses Öl und Gas nicht mehr benötigt.

Das bedeutet zunächst, die in den Zeiten zerstörerischer atomarfossiler Kondensations-Großkraftwerke aufgebaute “Strom-Wärme-Schranke” in den Köpfen zu durchbrechen, und das Thema Effizienz neu zu denken. Dazu müssen wir zunächst alle thermischen Speicher (z.B. Pufferspeicher von thermischen Solaranlagen im Keller) intelligent mit dem Stromnetz verbinden. Dann können wir mit Wind- und Solarstrom optimiert heizen (und kühlen) und hohe Stromüberschüsse in der Nutzung über mehrere Tage verteilen. In diesem Zusammenhang stellt sich das Thema Gebäudeeffizienz neu dar. Es ist sehr fraglich, ob Gebäude-Dämmung dann noch in dem Umfang umgesetzt werden muss und wird, wie es es an vielen Stellen gefordert wird und sich auch in politischen und Förder-Programmen manifestiert.

Dass das alles keine fernen und teuren Zukunftsvisionen sind, zeigt die Situation in Dänemark (siehe Film “Die 4. Revolution - Energyautonomy“/ab 19. Minute; interessant auch: ”Solare Fernwärme um 3-4 ct/kWh nur in Dänemark möglich?“, wo es allerdings um solarthermische Großanlagen geht).

Neue Förderung für Biogas und Geothermie: Die Förderung der Biogas- und Geothermie-Stromerzeugung sollte radikal verändert werden. Eine Förderung über die erzeugten Kilowattstunden ist für beide nicht sinnvoll. Geothermie braucht eher eine Unterstützung aus einem Risikofonds bis zu dem Punkt, an dem klar ist, dass überhaupt Strom störungsfrei produziert werden kann. Biogas muss im zukünftigen System eine neue Rolle übernehmen, was sich auch in der Finanzierung widerspiegeln muss.

Gas als Speicher: Für die kurzfristige Speicherung von Strom gibt es einige Optionen, für die Langfrist-Speicherung nur wenige. Die heutige Biogasproduktion wird in knapp 4 GW Strom-Dauerleistung an 8760 Stunden im Jahr umgesetzt (siehe auch bei Agora Energiewende). Würde man das Biogas nicht dauer-verstromen, sondern aufsparen, würde diese Menge an Biogas ausreichen, um ca. 500 Stunden (3 Wochen) a 70 GW Stromleistung darzustellen. Zum Vergleich: Die heute nachgefragte Stromleistung in Deutschland bewegt sich zwischen 60 und 80 GW (Nacht und Tag). Mit einem solchen Modell könnte also die vollständige heute nachgefragte Strommenge in einem Zeitraum von ca. 3 Wochen allein über Biogas bereit gestellt und eine “dunkle Flaute” ohne Wind- und Solarstrom überbrückt werden - auch ohne ein dickes Kabel, das eine Anbindung an die großen Speicherkapazitäten norwegischer Stauseen bietet.

Power-to-Gas: Je nach Entwicklung von Technik und Preisen kann Biogas mittelfristig durch Power-to-Gas abgelöst werden. Die Umwandlungsverluste und Kosten der Power-to-Gas-Technik relativieren sich vor dem Hintergrund der - gegenüber Biomasse - wesentlich höherer Flächeneffizienz von Wind- und Solarstromanlagen (siehe auch “Osterrätsel: Was ist das?“) und großer Stromüberschüsse aus Wind und Solar zu bestimmten Zeiten - insbesondere bei einer vollständigen Wärmeverwendung bei der Verstromung in Blockheizkraftwerken an optimierten Standorten.

BHKWs als Infrastrukturmaßnahme: Wenn wir uns das Biogas durch Netzeinspeisung (oder Verflüssigung) “aufsparen” würden, bräuchten wir zur Verstromung zur passenden Zeit und am passenden Ort wesentlich mehr Blockheizkraftwerke. Diese BHKWS müssten als Notstromaggregate und Infrastruktur-Investition betrachtet und entsprechend finanziert (!!) werden. Sie müssten in virtuelle Kraftwerke eingebunden und mit gutem Wärmespeicher versehen sein, an einem Standort, wo die Wärme auch gebraucht wird. Bei Stromüberschüssen aus Wind und Solar würde dieser Speicher mit Strom aufgeheizt. Nur im Notfall würde eine Versorgung über das BHKW stattfinden.

Gibt es ein ernsthaftes technisches Problem 50.000 oder 100.000 BHKWs zu produzieren und eingebunden in virtuelle Kraftwerke in der Landschaft zu verteilen? Nicht wirklich. Das lässt sich ungleich schneller umsetzen, als ein großes neues Kraftwerk oder neue Stromtrassen zu planen, gegen Widerstände der Bevölkerung durchzusetzen und zu bauen. Bei geeigneten Rahmenbedingungen ist das eine Aktion von Monaten und nicht von Jahren oder Jahrzehnten.

In diesem Zusammenhang energiepolitisch völlig kontraproduktiv ist, dass unter den derzeitigen - von der Großkraftwerks-Lobby durchgesetzten - Markt-Rahmenbedingungen hochflexible Gas-Kraftwerke kaum noch in Betrieb sind, während Kohlekraftwerke ihre Stromproduktion in der gleichen Zeit erhöht haben (siehe Blog-Beitrag “Fraunhofer ISE: Stromproduktion aus Wind und Solar 2013“, Präsentation als PDF und “Verein der Kohleimporteure“).

Netzausbau erforderlich? Mit einem massiven Ausbau der BHKW-Infrastruktur an den richtigen Stellen (s. vorheriger Abschnitt), könnten wir uns vermutlich den größten Teil des geplanten Netzausbaus sparen (s. z.B. auch “Energiewende braucht dezentrale Erzeugung statt Netzausbau“). Für diesen Netzausbau wird derzeit eine Summe von 21 Mrd. EUR angegeben (siehe Plan N 2.0: Ein Stromnetz für die Energiewende). Von 21 Mrd. EUR kann man viele Blockheizkraftwerke kaufen und betreiben. Das Risiko eines Netzausbaus wie er heute von Nord nach Süd geplant ist, besteht darin, dass (mit entsprechenden politischen Rahmenbedingungen) auch langfristig fossile Großkraftwerke im Norden wirtschaftlich gehalten werden, weil sie ihren Strom im Süden verkaufen können und es weniger wirtschaftlich ist, eigene Erzeugungskapazitäten aufzubauen (siehe auch “Monitoring der Energiewende: Schwerpunkt Versorgungssicherheit“).

Zum Schluss noch ein Sprung zur Mobilität, die derzeit immerhin für rund 30% des Energiebedarfs in Deutschland verantwortlich ist:

Mobilität: Ein grundlegender Umbau unseres Mobilitätssystems ist ein wesentlicher Faktor für die Umstellung der Energieversorgung auf 100% erneuerbare Energien. Ein Baustein dieses Umbaus ist die Elektrifizierung des Verkehrs. Wenn alle PKW mit Strom betrieben würden, würde der bundesdeutsche Stromverbrauch nur um rund 15% steigen (siehe z.B. hier). Elektromotoren sind vergleichsweise sehr effizient.

Heute spielt E-Mobilität mit rund 11.000 reinen E-Mobilen und rund 70.000 Hybridfahrzeugen bei 45 Mio PKW insgesamt praktisch noch keine Rolle. Das könnte sich in Zukunft deutlich ändern - allerdings wohl nur mit einem Konzept, das in der Lage ist, viele der bekannten Probleme der E-Mobilität (Batteriekosten, Reichweite, Ladeinfrastruktur, Netzlasten etc.) zu überwinden und einen fließenden Systemwechsel ermöglicht. Das könnte so aussehen:

Der PKW der Zukunft ist mit einer Batterie versehen, die rein elektrisch 50-80 km Reichweite ermöglicht, womit die meisten Fahrten problemlos elektrisch abgewickelt werden können. Die Batterie wird induktiv oder im Notfall per Kabel geladen. Der PKW hat zusätzlich einen sehr einfachen Verbrennungsmotor (und einen kleinen Tank), der im Notfall Strom in die Batterie nachspeist, um eine größere Reichweite zu ermöglichen. Damit kann nach und nach ein sehr großer Teil der heutigen PKW-Mobilität elektrifiziert werden - ohne dass es einen radikalen Systembruch geben muss. Der Verbrennungsmotor kann auch mit erneuerbarem Gas betrieben werden.

Die Preise für solche Fahrzeuge würden bei Massenproduktion stark sinken, auch weil die Batterie klein bleiben und der Motor sehr einfach gehalten werden kann. Der Motor muss ja nur Strom produzieren. Viel komplizierte und teure Motortechnik eines “normalen” Motors würde wegfallen. Ob allerdings alle Automobilproduzenten und Zulieferer eine solche Vereinfachung positiv sehen würden, ist mehr als fraglich.

Mit einem solchen seriellem Induktions-Plug-in-Hybrid, der über induktiv ausgestattete Parkplätze zum Ausregeln der Netze eingesetzt werden könnte, wäre es möglich Mobilität und Stromnetz gemeinsam umzukrempeln. Auch eine Betankung während der Fahrt auf Autobahnen ist prinzipiell möglich. Das Notstromaggregat würde ermöglichen die Batteriebetankung netzabhängig und nicht fahrzeugabhängig zu gestalten. Eine nicht geladene Batterie wäre kein Problem, weil der Motor als Notstromaggregat ja vorhanden ist. Nur wenn gerade viel Strom im Netz verfügbar ist, der nicht als Strom anderweitig besser genutzt werden kann, wird die Induktionsbetankung freigeschaltet und das Auto induktiv aufgeladen.

Und wenn mehr Stromangebot da wäre, könnte der Strom dann in thermische Anwendungen gelenkt werden (s.o.) - in einer Art moderner Kaskadennutzung, wo Strom immer zunächst für die höchstwertige Anwendung bereitgestellt.

28 Kommentare zu „Wie es gehen könnte…“

  1. Rüdiger Höwler sagt:

    Regelmäßige Stromüberschüsse
    Einen Überschuss an regenerativen Strom (also mehr als 100%) hat es bis heute noch nie gegeben! Der absolute Spitzenwert lag bislang bei etwa 60% regenerativ! Deshalb halte ich es für falsch, Überschüsse schon jetzt zur Deckung des Wärmebedarfs zu verwenden. Ursache für die Überschüsse sind also unflexible Kraftwerke. Hier muss zuerst der Hebel angesetzt werde. Sonst sehe ich die große Gefahr, dass sich diese Art der Nutzung etabliert und wir die unflexiblen „Dinosaurier“ nie aus dem Netz bekommen. Wenn dieses Thema überwunden ist, gebe ich dir Recht, sollten die Schranken aus den Köpfen fallen.

    Netze ./. BHKW ./. Power2Gas
    Sicher ist es nicht sinnvoll die für den Ausbau des Transportnetzes vorgesehenen 21 Mrd. Euro komplett in BHKW zu investieren. Gleiches gilt auch für die Idee, wegen Mangels an Leitungen Strom über schlechte Wirkungsgrade in Gas und anschließend zurück in Strom umzuwandeln. Aber bei der Ausgestaltung der Energiewende sollte man meiner Meinung unbedingt darauf achten, dass über die gesamte Fläche kleinteilige Strukturen geschaffen werden, die in sich gesehen schon relativ gut und unabhängig funktionieren. Um gleich Missverständnisse vorzubeugen, meine ich hier keinesfalls Autarkie. Das hat gleich mehrere Vorteile: Es muss nicht permanent viel Strom über weite Strecken transportiert werden, so als wenn man künftig nur im Norden Wind- und im Süden PV-Strom produziert, wie es die GroKo anstrebt. Im Winter müsste ständig Strom von Nord nach Süd, im Sommer dagegen eher umgekehrt transportiert werden. Bei besonderen Wettersituationen, die aber dennoch häufig vorkommen, dass im Norden die Sonne scheint und im Süden der Wind weht, geht praktisch gar nichts. Oder im umgekehrten Fall werden gigantische Überschüsse produziert. Das ist ganz klar nicht der richtige Weg und stellt uns künftig dann vor neuen großen Problemen. Also unter „normalen“ Wetterbedingungen sollten die Regionen relativ unabhängig versorgt werden. Laut Agora-Studie ist es von den Kosten her auch unerheblich, ob man auf Dezentralität oder beste Standorte setzt.

  2. Schmidt sagt:

    Das entspricht in vielem dem Masterplan aus Willenbachers Buch.
    Auch p2g wird regelmäßig unterschätzt weil nur el. Wirkungsgrade berücksichtigt werden. Wir brauchen aber sowieso mehr Wärme als Strom, auch im Sommer. Mit Verstand genutzt kommt man auch bei p2g auf Nutzungsgrade von 80-90% von Erzeugung bis zur Verwertung als Strom und Wärme.

  3. Daniel Bannasch sagt:

    @ Rüdiger Höwler: Bin natürlich völlig einverstanden, dass die atomarfossilen Großkraftwerke weg müssen und es nicht darum gehen kann, deren Strom in Wärme zu verwandeln - das habe ich eigentlich implizit als Ziel vorausgesetzt. Der Blogbeitrag ist ein Versuch zu zeigen, wie das ganz schnell passieren kann - die Zustände über 100% EE sind dann keine ferne Zukunft.

    Was die 21 Mrd. angeht: es wäre schön, jemand würde mal rechnen, wie viel BHKW-Kapazität zu welchen Kosten man eigentlich bräuchte, um alle atomarfossilen Großkraftwerke abzulösen und gleichzeitig die Stabilität der Stromversorgung zu gewährleisten. Vielleicht gibt es eine solche Studie schon. Ich kenne aber (noch) keine.

    Bei einem Faktor 20-40 Ausbau der Erzeugungsanlagen für Wind- und Solarstrom dürfte fast jedes Übertragungsnetz Probleme bekommen, wenn die Leistung mal gleichzeitig am Netz ist. Das geht nur dann vernünftig, wenn der Strom möglichst schnell wieder lokal aus dem Netz gezogen wird.

    @ Schmidt: das habe ich auch immer wieder festgestellt. Power-to-Gas wird von vielen nur nach dem Strom-zu-Strom-Wirkungsgrad beurteilt. Das ist aber bei sinnvoller Verstromung in BHKWs zur richtigen Zeit am richtigen Ort natürlich völliger Unsinn.

  4. Sepp sagt:

    Hoch interessant, aber ziemlich komplex.
    Bestünde die Möglichkeit, diese Gedanken im Rahmen einer Gesprächsrunde mit weiteren Interessierten stärker zu durchdringen?

  5. Daniel Bannasch sagt:

    @ Sepp: Jederzeit gerne. Wie bei jedem guten Duell müssen wir dafür nur Zeit, Ort und Teilnehmer festlegen :-) Vorschläge sind willkommen!

  6. nico sagt:

    Hey Daniel,

    1) Warum stellst du dein Licht so unter den Scheffel?
    “Er mag gravierende Denkfehler und Fehleinschätzungen im Detail enthalten.” -> “Sollten Denkfehler und Fehleinschätzungen vorliegen, bin ich für Anregungen dankbar.”

    2) zum Thema BHKWs als Infrastrukturmaßnahme bzw. Notstromaggregate: Es wäre mal interessant, wieviel Leistung allein an Notstromaggregaten AKTUELL schon in Kliniken / Rechenzentren / Universitäten / und anderen relevanten Einrichtungen ungenutzt “rumsteht”. (Ich weiß, dass es auf jeden Fall so ist!). Wenn man die alle gesetzlich in ein Pooling “zwingen” würde, kämen da einige GW zusammen…

    3) super Zusammenfassung!

  7. Daniel Bannasch sagt:

    @ Nico:

    zu 1. es kann ja immer sein, dass man etwas wirklich Wichtiges übersieht. Das kommt bei uns allen immer wieder vor.

    zu 2. das fände ich auch sehr interessant, dazu müsste es eine Übersicht geben.

    Folgende Übersicht finde ich recht interessant: http://asue.de/themen/blockheizkraftwerke/broschueren/index.html?c=layer
    http://asue.de/themen/blockheizkraftwerke/broschueren/bhkw_kenndaten_2011.html

    zu 3. freut mich :-)

  8. Günter Bille sagt:

    Und vergessen Sie bitte das KWK-Potenzial nicht, das man direkt in die Heizungsräume von Ein- und Mehrfamilienhäusern stellen kann. Es verursacht überhaupt keine Netzprobleme. Bei Antrieb mit Erdgasmotoren stellen die kleinen Wärme/Stromerzeuger eine ausgezeichnete Brückentechnologie dar und im Falle der (zunehmenden)Verwendung von Biomethan sind es 100%ige Erzeuger von Strom und Wärme aus Erneuerbaren.

  9. Oliver Mühlhan sagt:

    Zunächst möchte ich feststellen, dass das darstellte Szenario bzw. der Weg dahin gut nachzuvollziehen ist und vielversprechend ist. Ich möchte aber einige Punkte anmerken:
    1.: Die Verbraucherseite kommt zu kurz. Energieeinsparung und Energieeffizient sowohl im Strom- als auch im Wärmebereich sind weiterhin sehr sinnvolle Maßnahmen. Es hat ja in beiden Bereichen auch schon deutliche Effizienzverbesserungen gegeben. Ich gebe Ihnen recht, dass diese dann oft wieder an anderer Stelle aufgefressen wurden – so brauchen z.B. LCDs weniger Strom als Röhrenmonitore oder –fernseher, es gibt aber heute mehr Displays und einen Trend zu mehr Fernseher pro Haushalt. Das Auffressen kommt dann einher mit einem Zuwachs an Nutzen (z.B. ein Smartphone, das man früher nicht hatte, man kann jetzt in mehreren Zimmern gleichzeitig fernsehen,…) aber das ist eine ganz andere Diskussion, ob wir diesen Zusatznutzen brauchen, das gehört eigentlich nicht zum Thema Energiewende dazu. Aus deren Sicht ist eine Einsparung beim gegenwärtigen Nutzen immer sinnvoll. Energie die man nicht braucht, muss man auch nicht erzeugen.
    2..: Das Thema Strom-Wärme-Schranke überwinden sehe ich ganz ähnlich wie Sie. Aber aus den oben ausgeführten Gründen kann ich die Aussage „In diesem Zusammenhang stellt sich das Thema Gebäudeeffizienz neu dar. Es ist sehr fraglich, ob Gebäude-Dämmung dann noch in dem Umfang umgesetzt werden muss“ nicht teilen. Auch wenn wir die Energie zukünftig zu 100% regenerativ erzeugen können, wäre es trotzdem sinnvoll, unsere Gebäude möglichst effizient zu dämmen, um möglichst wenig zugeführte Wärme überhaupt zu benötigen. Dies bedeutet nämlich, dass ich auf eine Anzahl von Anlagen verzichten kann, auf (Wärme-)Speicher und auf Leitungen zur Nahwärmeversorgung. Jede Anlage oder Infrastruktur, die ich einsparen kann, spart Herstellungsenergie, Rohstoffe und Kosten ein.
    Ich bin ganz bei Ihnen, wenn es darum geht, Wärme zukünftig stärker mit Strom zu erzeugen und dafür auf fossile Brennstoffe zu verzichten – aber auch das muss möglichst effizient geschehen, d.h. beispielsweise über Wärmepumpen. Es war ja gerade die Atomlobby, die uns früher weismachen wollte, Stromheizung oder Nachtspeicher seien die Heizung der Zukunft, weil Strom ja unbegrenzt zur Verfügung stehe. In Frankreich hat man dies viel stärker umgesetzt, mit dem Effekt des alljährlichen Strommangels in den Wintermonaten.
    3.: Zu den BHKWs. 50-100.000 neue BHKWs wären schon eine Menge. Wenn wir die konventionellen alle ersetzen wollen, müssten das ja dann auch BHKWs in der Größenordnung 1-2 MW sein, also schon größere BHKWs. Für alle diese BHKWS müssten dann ein Standort gefunden werden, der auch eine sinnvolle Wärmeabnahme gewährleistet. Zudem gebe ich zu berücksichtigen, dass die Effizienz (z.b. als Wirkungsgrad) üblicherweise mit der Größe besser wird, eine Gas-und-Dampf—Anlage (GuD-Kraftwerk) ist super im Wirkungsgrad, kann man aber erst ab einer bestimmten Größe bauen.
    4.: Thema Biogas. Sie haben vollkommen Recht, die reine Einspeisung nach EEG ist wenig sinnvoll, weil man dadurch den Flexibilitätsvorteil verschenkt. Allerdings muss auch das Gas zu richtigen Zeit zur Verstromungsstelle kommen. Heute sind die Generatoren meist direkt an den Fermenter angeschlossen, weil das am billigsten ist, die Wärmenutzung ist oft fragwürdig. Neu Biogaspipelines im großen Umfang halte ich aber für zu teuer. Lösungsmöglichkeiten wären: 1. Gasspeicher bei Fermenter und größere Generatoren, damit diese temporär und nicht kontinuierlich eingesetzt werden können. Andere Vergütung, die die Flexibilität honoriert, dann wird es zusätzlich auch sinnvoll die Biogasanlagen mit Boostern zu ergänzen (die Anlagen können durch den Einsatz von besonderen Stoffen, z.B. Melasseresten aus der Zuckeproduktion, die Gasproduktion kurzfristig deutlich steigern). 2. Entschwefelung des Biogases und Einspeisung in die existierenden Erdgasnetze.
    Die Modifizierte EEG-Vergütung habe ich nicht ganz verstanden, hier wäre es schön, wenn Sie dies noch etwas ausführen könnten. Insbesondere ist mir nicht klar, was sich aus Sicht eines Investors ggü. dem gegenwärtigen System ändert, dieser muss doch immer die Zeitkomponente mit berücksichtigen (eingesetztes Kapital, Erlöse über Einspeisung, Rücklaufzeit und Zinsen).

  10. Daniel Bannasch sagt:

    Sehr spannend zum Thema dezentrale Erzeugung ist folgender Artikel aus der Wirtschaftswoche: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/energiewende-so-druecken-sich-unternehmen-vor-der-oekostromumlage/8716024.html

    Das zeigt, dass es dringend erforderlich ist, eine Studie zu machen (falls es die nicht schon irgendwo gibt), die die Netzausbauszenarien diesen dezentralen Erzeugungsszenarien gegenüberstellt.

  11. Daniel Bannasch sagt:

    Siehe auch hier Handelsblatt-Artikel “Autarkie auf Kosten anderer”: http://www.handelsblatt.com/technologie/energie-umwelt/mobilitaet-der-zukunft/energiewende-autarkie-auf-kosten-anderer/9122736.html

  12. EEG 2.0 Dummheit 4 | Der Sonnenflüsterer sagt:

    [...] umschauen. Zum Beispiel beim Daniel von Metropolsolar, er hat in seinem Artikel “Wie es gehen könnte” im Absatz “Modifizierte EEG Vergütung” eine verständliche Version beschrieben. [...]

  13. Robert Wasser sagt:

    Interessanter Beitrag!

    Ich bin als Projektingenieur tätig und bin dabei genau so ein Konzept in naher Zukunft zu realisieren. Das besondere dabei ist, das das zu versorgende Objekt ein Dorf ist, welches sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hat, um die nötigen Investitionen zu tätigen.
    Die Genossenschaft wird ein Wärmenetz für ca. 150 Anschließet aufbauen und eine Heizzentrale mit Spitzenlast-/Reservekessel. Ein Landwirt stellt ein 2MW BHKW auf, welches flexibel gefahren werden kann. Über einen Warmwasserspeicher werden wir den Wärmebedarf des Dorfes für etwa 2 Tage speichern können.
    Durch diese Maßnahme wird ein ganzer Fliegenschwarm mit einer Klappe geschlagen:
    -Flexibilisierung der bestehenden Biogasanlage (statt 8700h/a nur noch 2000h/a), dann wenn Sonne und Wind nicht können,
    - deutliche Effizienzsteigerung durch Wirkungsgradverbesserung mit dem größeren BHKW,
    - BHKW liefert Wärmegrundlast UND Spitzenlast (im Gegensatz zu “herkömmlichen” Wärmenetzen)
    -ausgleich der saisonalen Schwankungen
    -Senkung des Wärmebedarfs durch Heizungssanierung und Umstellung auf erneuerbare Wärme des kompletten Dorfes!
    -neben dem Wärmenetz wird ein Glasfasernetz bis in jedes Haus aufgebaut, superschnelles Internet für alle!
    -Energieversorgung in eigener Hand des Dorfes
    -lokale Beschäftigung für Aufbau und Betrieb des Netzes
    -Unabhängigkeit von großen Energieversorgern
    - die Genossenschaft liefert Strom (Direktvermarktung des BHKW-Stroms), Wärme und Internet
    - Gemeinschaftsprojekt des Dorfes bringt die Einwohner zusammen
    -Einsparungen von 15-30% für jeden Haushalt heute schon, keine Preisspirale wie bei Öl und Gas!

    Dies ist alles jetzt schon möglich und vor allem jetzt schon wirtschaftlich!

    PS: Wir befinden uns zur Zeit im Stadium der Genossenschaftsgründung, über 100 von erforderlichen 150 Anschließen haben schon Ihre Bereitschaft mitzumachen erklärt) wenn alles nach Plan läuft, werden noch vor Weihnachten 2014 die ersten Anschließer mit regenerativer Wärme versorgt.

  14. Hubertus Grass sagt:

    Gut strukturierter, lesenswerter Beitrag, Danke dafür.
    Bei den Netzen gibt es einen Widerspruch: Einerseits soll es keinen großen Ausbau geben, andererseits wird gefordert: “eine Verteilung über gut ausgebaute Stromnetze in andere Regionen”.
    Leider fehlt jeder Hinweis auf die ungefähren Kosten dieses Weges. Haben wir etwas gewonnen, wenn wir die Energiewende zum Preis des Verlustes der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft hinbekommen?

    https://www.dialog-energie-zukunft.de/energiekosten-in-deutschland-auf-einem-international-wettbewerbsfaehigen-niveau-halten/#inhalt

  15. Daniel Bannasch sagt:

    @ Hubertus Grass: an der zitierten Stelle bezüglich Stromnetze wird keine Forderung aufgestellt. Es wird eine Möglichkeit beschrieben.

    Tatsächlich fehlt eine Studie zu den Kosten. Trotz mehrfacher Nachfragen an den zuständigen Stellen in Bund und Ländern, ist mir dazu bis heute nichts bekannt. Wieviel würde der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur kosten im Vergleich zu einem Ausbau von Netzen, die aber bei 200 oder 300% Solarstrom im Sommer überall ohne Speicher auch nicht weiterhelfen..

    Wir sind gerade dabei unsere Wirtschaft zu ruinieren, indem die Politik eine Vollbremsung bei der Energiewende hingelegt hat: Im Bereich Solar Verlust von 40.000 Arbeitsplätzen im Jahr 2013, wenn ich die Zahl richtig im Kopf hab.

  16. Entwurf EEG Stand 10.2.2014 online sagt:

    [...] Kommentare Daniel Bannasch bei Wie es gehen könnte…Hubertus Grass bei Wie es gehen könnte…Robert Wasser bei Wie es gehen könnte…Age-Pi [...]

  17. Schmidt sagt:

    Noch zu P2G: nicht nur die Wärme der BHKW nutzen sondern auch bei der Elektrolyse. Immerhin sind das 20-30% die dort sonst als Wärme verloren geht.

  18. Enrico Laue sagt:

    Strom aus Wind und Sonne hat die unangenehme Eigenschaft unregelmäßig anzufallen. Dazu überlagern noch kurzzeitige Schwankungen die Produktion. Da Strom entgegen dem gern verbreiteten Märchen vom Stromsee nicht ohne zusätzliche Maßnahmen im Netz gespeichert werden kann, müssen Produktion und Verbrauch aufeinander abgestimmt sein.
    Kurzzeitige Verbrauchsschwankungen werden heute mittels Regelungsenergie, die durch die kinetische Energie der Generatorwellen in sekundenschnelle bereitgestellt. Bei Wind und Sonne fehlt eine solche Möglichkeit. Batterien und andere Speicher sind zu langsam. Windräder, die, wenn sie denn laufen, zumindest rotierende Massen und damit kinetische Energie haben, sollen ja nicht mit Netzdienstleistungen belästigt werden.
    Längerfristige Schwankungen der Stromproduktion sollen durch diverse Speicher, Biogas ausgeglichen werden. Mit der vielgepriesenen Überproduktion müssen in erster Linie die Speicher gefüllt werden. Da der Strom zu den Speichern kommen muss, müssen entweder die Netze ertüchtigt oder die Speicher unmittelbar beim Stromerzeuger installiert werden. Gleiches gilt natürlich auch für Sekundärverwertungen
    Elektroautos eignen sich nur bedingt als Speicher, da zum einen Akkugrösse auf absehbare Zeit begrenzt sein wird, immer nur ein Teil der Fahrzeuge am Netz hängen und auch noch den gerade benötigten Ladezustand haben. Für mehr als ein paar Stunden Strom reicht’s nicht. Die Lebensdauer der Akkus wird durch ständiges Laden und Entladen auch nicht gerade verlängert. Pumpspeicherwerke haben ja bekanntlich auch nicht viele Speicherkapazitäten. Mehrere Tage mit wenig Erzeugung lassen sich damit nicht überbrücken.
    Bleibt noch Power to Gas als Speicher. Theoretisch unbegrenzt, wäre da nicht der bescheidene Wirkungsgrad. Wollte man damit 1/3 des deutschen Stromverbrauchs bestritten werden, wären alleine 380GW Kapazitäten erforderlich. Da geht uns so langsam der Platz aus.
    Biogas, da wird Erdöl und Erdgas in Form von Kunstdünger auf die Felder geworfen um dann das Grünzeug als Methan zu verbrennen.
    Landwirtschaft ist heute der größte Umweltschädling in Deutschland. Da drängt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des intensivlandwirtschaftlichen Energiepflanzenanbaus auf. Gülle aus Massentierhaltung ist da auch nicht besser.
    Warum wollen die Erzeuger von erneuerbaren Energien keine Netzdienstleistungen erbringen? Zum einem, weil das die Investitionen und die Kosten für den Strom in die Höhe treibt. Bei etwa 10ct/kWh Vergütung werden z.B. bei power to gas mit einem Gesamtwirkungsgrad von 30% schon ohne Anlagenkosten 30ct/kWh für den Stromkunden. Wer hier auf großartige Verbesserungen beim Wirkungsgrad hofft, den enttäuscht der alte Carnot. Zum anderen, treiben die Wirkungsgrade die erforderliche Primärstromerzeugung und damit die Einnahmen in die Höhe. Da bei jeder Speicherung der Wirkungsgrad <100% ist steigen die Kosten und erforderliche Erzeugungskapazitäten immer.
    Dann ist immer noch die Frage offen, wieviel atomarfossile Energie in den EE-Anlagen steckt.

  19. Daniel Bannasch sagt:

    @Enrico Laue: Leider kann ich an ihrem Kommentar nicht genau erkennen, welche Argumentation aus dem Beitrag “Wie es gehen könnte” Sie eigentlich widerlegen wollen. Zum Teil kommentieren Sie Aussagen und Argumentationen, die in dem Beitrag so gar nicht gemacht sind. Haben Sie den Artikel wirklich gründlich gelesen?

  20. Enrico Laue sagt:

    @Daniel Bannasch Sorry, ich hatte technisches Grundverständnis vorausgesetzt. Ihr “Konzept”, wie auch die aller anderen EE-Lobbyverbänden haben eins gemeinsam: Auch wenn Sie den Energiemarkt noch so viel ordnen müssten Sie ganz Deutschland voller Solarzellen und Windrädle stellen und beliebig viel Geld umverteilen um dann doch keine stabile Stromversorgung zu haben.

  21. Daniel Bannasch sagt:

    @Enrico Laue: vielleicht machen Sie Ihre Aussagen mal so konkret, dass man damit etwas anfangen kann. Auf der Grundlage ihrer umkonkreten Aussagen läßt sich schlecht diskutieren.

  22. Bernd Gnirss sagt:

    Ganz einfach und wie oben auch schon beschrieben: Mit möglichst effizienter Power2Gas und Gas2Power sind alle Fliegen gefangen.

    Siehe auch:
    http://berndgnirss.blogspot.de/2014/01/geburtshilfe.html
    und:
    http://berndgnirss.blogspot.de/2013/10/kleine-ursache.html

  23. Friedrich Roth sagt:

    Es kann gehen!
    Alle Komponenten die benötigt werden sind vorhanden,die Aufgabe ist es, diese in sinnvoller Wiese zusammenzufügen.
    Wenn wir 25% unserer Dachflächen mit thermischen Kollektoren
    ausstatten,können wir bei Einsatz entsprechender Wandler-
    Techniken mehr Energie Ernten und Verwerten als wie wir brauchen. So kann der Bedarf an Elektrizität und Wärme bereitgestellt werden, wenn dazu noch all die anderen Energie- Anbieter hinzukommen haben wir Energie in Hülle und Fülle! Speicherung ist bei diesem Konzept integriert!

  24. Alexander Lötzsch sagt:

    1. Jawoll !!
    2. Herr Bannasch wird Energieminister, Sofort!
    3. Einspeisevergütung für feste Strommengen ist eine gute Möglichkeit, man könnte ja über eine gewisse Flexibilität in vergütbarer Menge/ Jahr (nicht Gesamtmenge) einen Standort- und Zeitfaktor mit einbringen. Damit wäre auch von vornherein klar, welche Kosten die “Förderung” der Anlage verursacht.
    4. Faktor 20 ist wohl beim Wind Illusion, wir wollen ja hier auch noch wohnen. Aber Solar, ob Thermisch oder PV, hat noch Unmengen Reserven, gerade hier im Osten. Wenn jedes einigermassen geeignete Dach genutzt wird, müssen wir keine Ackerflächen zubauen, keine Landschaft versiegeln und auch kein großes Netz ausbauen. Das müsste einer der ersten Befehle des Energieministers Bannasch sein!!
    5. KWK ist auch im Beitrag etwas unterbelichtet. Aus Sicht der Energiewende müsste jeder, der eine Gas- oder Ölheizung baut auf einem mindestens 10-seitigen Formular begründen, warum es keine KWK mit einem Tagesspeicher ist. Das gibt eine sehr gute Jahresverteilung der Stromerzeugung und ebenfalls eine Entlastung des Netzes. Der elektrische Wirkungsgrad dieser kleinen Anlagen spielt eine untergeordnete Rolle, weil ja die Wärme zu 100% im Haus bleibt.

  25. Daniel Bannasch sagt:

    @ Alexander Lötzsch: wenn es nach Ihnen geht, kann ja aus mir noch richtig was werden :-)) Aber die richtigen Ideen zu haben, heisst noch nicht zwingend, dass man sie im politischen Prozess und Ministerien etc. auch durchbringt - also in der Wirklichkeit. Aber ich versuche, bundesweit die Debatte darüber zu pushen, weil viele Argumentation extrem schräg ablaufen (siehe auch aktuellere Blogbeiträge dazu).

    Ihre Anmerkungen zu Ausbau Windkraft stimme ich natürlich zu. Das bedeutet entsprechend mehr PV-Ausbau der wegen weiter sinkender Preise immer naheliegender wird.

    An die Zukunft der Solarthermie glaube ich wegen Billig-PV allerdings nicht so sehr. Ich habe jedenfalls nicht verstanden, wo - außer für Nischenanwendungen - in Zukunft Solarthermie noch Vorteile gegenüber PV hat.

    Zu Freiflächen:
    http://www.solarserver.de/solarmagazin/standpunkt_beck.html
    http://blog.metropolsolar.de/2009/04/osterratsel-was-ist-das/

    KWK: Von großen Formularen halte ich nicht so viel. Wirtschaftliche Anreize und vielleicht ein paar Verordnungen sollten ausreichen. Entscheidend scheint mir die Integration von thermischen Speichern ins Stromsystem.

  26. Die Welt ist ein Seerosenteich sagt:

    [...] wird es nicht funktionieren (siehe auch “Wie es gehen könnte…“). Wir dürfen nicht die Frösche fragen, wenn wir den Teich trocken legen wollen (siehe [...]

  27. Videointerview mit Hans-Josef Fell zu G7 und dem Weg zwischen Dezentralität und dem Netzausbau - SUSTAINMENT´s BLOG sagt:

    [...] würde. Einen Gegenentwurf zum Übertragungsnetzausbau hat Daniel Bannasch von Metropolsolar skizziert. Das Ganze hat noch nichts mit den Speichern für die Solaranlage zu [...]

  28. Wind und Netze für die Energiewende sagt:

    [...] auch “Kasperletheater der Tri-Tra-Trassenfreunde“, “Wind gewinnt“, “Wie es gehen könnte” und “Eine Frage mit Sprengstoff: Wem nutzt [...]

Kommentieren