Wir müssen reden…

Bei dem, was uns die Politik in diesen Tagen an 180 Grad-Wendungen in Sachen Energie wieder bietet, kann einem eigentlich nur der Mund offen stehen bleiben. Darauf zu warten, dass die Energiewende-Hälse eine vernünftige Politik machen, ist sinnlos: So alt werden wir alle nicht - nicht einmal alle zusammen. Eine Möglichkeit ist, sich aufzuregen, eine andere gelangweilt zu gähnen - der Mund steht ja schon offen. Oder zu reden “Wie es gehen könnte…” und dann im Rahmen unserer Möglichkeiten zu handeln.

Wir machen am liebsten das Letztere - seit 2012 unter anderem mit unseren MPS Energie Gesprächen in ausgewählten Lokalen der Region. Da bekommt der Begriff “Lokale Energiewende” eine schöne, ganz eigene Bedeutung. Ablauf der MPS Energie Gespräche: Spannender Impulsvortrag - gute Diskussion - Essen, Trinken und Stammtischgebabbel mit Gleichgesinnten… und dann gestärkt nach Hause gehen und weiter an der Energiewende arbeiten.

Die nächsten beiden Termine - beide mit dem Referenten, MetropolSolar-Mitglied und Energieblogger Thorsten Zoerner zum Thema “Rollenspiel im Strompoker” (Präsentation hier) - sind:

Sie sind herzlich eingeladen als Mitglieder teilzunehmen, oder als Nicht-Mitglieder zu kommen und (am Besten = Toplösung!) als Mitglieder wieder zu gehen :-) Denn “100% Erneuerbare brauchen eine Lobby. Uns. Werden Sie ein Teil davon.“Das Bensheimer Gespräch hat der Mannheimer Morgen schon mal angekündigt:

Weitere Termine folgen. In diesem Jahr wollen wir in der MetropolSolarRegion Rhein-Neckar insgesamt mindestens 30 MPS Energie Gespräche an mindestens 10 verschiedenen Orten veranstalten :-)

Die EU genehmigt unter einem deutschen EU-Energiekommissar Günther Oettinger (siehe “EU-Energiebericht: Oettinger verschweigt Atom- und Kohlesubventionen” und “Atomarfossile an den Markt heranführen“) Fracking (”siehe “Fracking - EU ebnet Weg für Schiefergas” und “Fracking: Oettinger fordert mehr deutsche Risikobereitschaft“) und will ihre - ohnehin bescheidenen - Energieziele kippen (siehe “EU gibt Vorreiterrolle bei Erneuerbaren Energien auf” und “Angriff auf die deutsche Energiewende“).

Soviel Unterstützung von der EU braucht Deutschland von Brüssel gar nicht. Wir bekommen die Energiewende auch allein kaputt (siehe auch: “Groko CSPDU: Die Energiewende-Abwürger“).

Denn: Deutschland ist offenbar nicht willens oder in der Lage gegen Konzerninteressen (siehe z.B. “Exxon-Mobil: Erdgassuche in Deutschland“, Vice Chairman Daniel Yergin von Information Handling Services in der ZEIT zu “Erdgas und Fracking für eine saubere Energieversorgung. Mehr Erdgas: Die Energiewende gefährdet Deutschlands Wirtschaft. Ein Vorschlag zur Lösung des Problems” und ”Der Optimismus der Öl-Dinosaurier“) endlich mal sein Bergrecht so zu ändern, dass eine Erkundung und Erschließung von fossilen Rohstoffen in den Bereichen Kohle, Öl und Gas wirksam verhindert werden kann - nicht einmal von einer grün-roten Landesregierung (siehe “Opa ohne Lobby“, “Windräder verschandeln die Landschaft“, “Konzession zur Erkundung möglicherweise geeigneter Frackinggebiete verlängert“, “BASF: The Oil & Gas Company“, In der Sonnenstadt wird weiter nach Öl gesucht” und “Erdölfieber flammt wieder auf“).

Der Vollzeit-Populist Seehofer will die Energiewende in Bayern wieder stoppen - vor allem die Windkraft, bei den Solaranlagen kassiert Bayern kräftig EEG-Umlage, weshalb die Nordrhein-Westfalen (s.u.) echt nicht gut drauf sind (siehe “Seehofer setzt neue Prioritäten” und “Wo es bei der Energiewende in Bayern hakt“). Immerhin regt sich deutlicher Widerstand an der Basis (siehe “Offener Brief an die CSU-Mitglieder des Landtags“, “Klagegemeinschaft Pro Windkraft” und “SPD will Volksbefragung gegen Energiepläne“)

Die SPD will die mit atomarfossilen Energie-Konzernen und -Gewerkschaftern eng verbundene Yasmin Fahimi am 26.1.2014 zur Generalsekretärin wählen (siehe “Skandal Fahimi: Die Energie-Trojanerin“). Und kaum einen scheint es irgendwie zu stören. Lieber beschäftigt man sich derzeit noch mit den Personalien Eckhardt von Klaeden und Roland Pofalla. Aufregen kann man sich schließlich, wenn Fahimi erst einmal gewählt ist - ist ja immer noch früh genug. Und dann sagen: Das konnte ja wirklich niemand wissen. Wenn man das geahnt hätte… Oder: um es mit dem einzigen Beitrag zur neueren Philosophiegeschichte im ehemaligen Land der Dichter und Denker, dem parteiübergreifend wegweisenden Satz, dem die Zeiten überdauernden Vermächtnis des Bundestagswahlkampfs 2013, zu sagen: “Hätte, hätte, Fahrradkette…” (Peer Steinbrück).

In Nordrhein-Westfalen haben die Menschen die Energiewende nicht mehr lieb :-( Null Bock auf Energiewende oder so. Im Westen also nichts Neues (siehe “Widerstand gegen höhere Strompreise im Ruhrgebiet“, ”Furcht vor Kosten -Das Ruhrgebiet hat keine Lust mehr auf die Energiewende” und “Ruhrindustrie fordert gerechtere Lastenverteilung bei der Energiewende“). Für das Kippen der Energiewende werden viele Millionen eingesetzt, denn ihr Misserfolg ist für einige Unternehmen Milliarden wert (siehe auch: “Energielobbytik der CSPDU“). In das Scheitern der Energiewende in Deutschland und Europa zu investieren, ist das lohnendste Geschäft, das es für internationale Energiekonzerne gibt. Ein Erfolg der Energiewende hierzulande würde einen Flächenbrand auslösen. ”Wie es gehen könnte“, ist klar. Ob es so kommt - vor allem schnell - ist mehr als zweifelhaft.

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