11.5. Einweihung größter Bürgerwindpark in Baden-Württemberg

Der größte Bürgerwindpark in Baden-Württemberg wird am 11. Mai in Buchen im Odenwald mit einem großen Fest eingeweiht (hier anklicken) - einen Tag nach der großen Energiewende-Demo in Berlin am 10. Mai. Zwischen beiden Terminen gibt es einen engen Zusammenhang.

“Wenn die vom Bundeskabinett beschlossenen EEG-Regelungen vom Parlament und den Ländern im Bundesrat so bestätigt werden, wird es solche Bürgerwindparks in Zukunft nicht mehr geben,” so Uwe Steiff, Geschäftsführer der Windpark Großer Wald Hettingen/Rinschheim. “Wir erwarten, dass die Landesregierung dafür sorgt, dass es dazu nicht kommt. Es reicht nicht, einfach nur von Bürger-Energiewende zu reden. Der zwischen Bund und Ländern unter Leitung des Ministerpräsidenten Kretschmann vereinbarte “Kompromiss” beim EEG ist völlig inakzeptabel.”

“Klar erkennbar ist, dass die Bürger, so weit es geht, aus dem Verfahren ausgeschlossen werden sollen. Unwirtschaftliche Rahmenbedingungen, Ausschreibungsmodelle und rechtliche Auflagen werden die zukünftige Umsetzung von Bürgerwindprojekten durch GmbH & Co. KGs und durch die gerade entstandenen Bürgerenergiegenossenschaften größtenteils ausschließen. Zeitgleich soll der Zubau von Sonne und Wind durch die sogenannte “Deckelung” gedrosselt werden. Die kostengünstige dezentrale Energieversorgung wird beim Wind (als Beispiel) gekippt, während der teurere Offshore-Ausbau weiter stark gefördert und gefordert wird. Zeitgleich entstehen völlig unnötige Netzübertragungs- und Netzausbaukosten usw. Die Industrie übt unglaublichen Druck auf die Politik aus. Mit Erfolg, wie man sieht. Die Energiewende wird schlicht zerfetzt, andere Worte gibt es hierfür nicht,” so Steiffs Geschäftsführungskollege Bernd Brunner. Beide sind seit langem Mitglieder von MetropolSolar Rhein-Neckar.

“Wir freuen uns, dass der Bürgerwindpark schon vor seiner Einweihung Mitglied bei uns geworden ist,” meint Daniel Bannasch, Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar. “Die Rahmenbedingungen für den Umbau der Energieversorgung werden in Berlin beschlossen, die Umsetzung findet zum großen Teil in den Regionen auf den Dörfern statt. Ein großes Problem ist, dass die Energiewende-Basis in Berlin kein Gehör findet, ganz anders als die großen Energiekonzerne, die mit ihrer Lobbyarbeit das EEG in den letzten Jahren bis zur Unkenntlichkeit deformiert haben. Wir engagieren uns als regionale Organisation für 100% erneuerbare Energien dafür, dass es in Zukunft mit der bürgerschaftlich getragenen Energiewende weitergehen kann. Ganz wichtig ist auch, dass die vorgesehene Belastung von selbst genutztem Strom vollständig gestrichen wird.”

Bitte beachten Sie auch die Einladung zu folgenden MPS Energie Veranstaltungen am 25.4. in Heppenheim/Bergstraße, 27.4. in Bürstadt/Lampertheim, 8.5. in Mörlenbach/Weschnitzal, 12.5. in Mauer/Elsenztal und 13.5. in Mosbach/Neckar-Odenwald-Kreis.

Hier die Pressemeldung der Windpark Großer Wald:

Größter Bürgerwindpark im Land wird eingeweiht

In den Buchener Ortsteilen Hettingen und Rinschheim entstand im vorigen Jahr der leistungsstärkste Bürgerwindpark Baden-Württembergs. Inzwischen sind die fünf neuen Windräder seit einigen Monaten am Netz und haben schon über 15 Mio. kWh eingespeist. Nun ist es Zeit, endlich Einweihung zu feiern!

Der Bürgerwindpark „Großer Wald Hettingen/Rinschheim“ besteht aus fünf Windkraftanlagen, des Typs REpower 3.2M114 mit einer Nennleistung von jeweils 3,2 Megawatt (MW), einem Rotordurchmesser von 114 m und einer Nabenhöhe von 143 m. Mit zusammen 16 MW installierter Leistung handelt es sich um den größten in Bürgerhand befindlichen Windpark des Landes. Auch die errichteten Windräder setzen Maßstäbe: Seither wurden nirgends in Baden-Württemberg leistungsstärkere Anlagen gebaut. Der Windpark, so die Betreibergesellschaft Windpark Großer Wald Hettingen/Rinschheim GmbH & Co. KG mit Sitz in Buchen-Hettigenbeuern, sollte ein innovatives Leuchtturm- und Referenzprojekt werden, das zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme einzigartig in der Region und im Land sein würde, was, im Rückblick betrachtet, auch gelang!

Etwa knapp 300 Anteilseigner, die größtenteils aus der Region stammen, haben das nötige Eigenkapital in Höhe von 7 Mio. Euro aufgebracht. Die meisten davon sind Privatpersonen, einige örtlich oder regional verwurzelte Firmen und Energiegenossenschaften sind auch mit dabei. Die Gesamtkosten des Projekts betrugen etwa 25 Mio. Euro. Etwa 18 Mio. davon wurden als Darlehen aufgenommen – Darlehensgeber war ein Konsortium regional ansässiger Genossenschaftsbanken, federführend war dabei die örtliche Volksbank Franken. Das gesamte Eigenkapital war Ende 2013 gezeichnet, eine Beteiligung ist somit leider nicht mehr möglich!.

Der Windpark wird jährlich rund 28 Mio. kWh Strom ins Netz einspeisen, was dem Verbrauch von etwa 7.000 Haushalten entspricht. Nachdem Ministerpräsident Kretschmann am 13.11.2013 die erste Anlage symbolisch in Betrieb genommen hatte, wurden die anderen vier sukzessive fertiggestellt, so dass sich Anfang Dezember alle Windräder drehten! Insgesamt sind – mit den beiden „Altanlagen“ auf dem „Hettinger Eulsberg“ – in Hettingen und Rinschheim somit insgesamt 7 Rotoren mit zusammen 19 MW Nennleistung installiert – allesamt in Bürgerhand!

Nachdem die neuen Anlagen nun schon fast ein halbes Jahr am Netz sind, soll am Sonntag, den 11. Mail 2014 (Muttertag!) endlich Einweihung gefeiert werden. An Windkraftanlage Nr. 4, auf dem Hettinger „Rehberg“ (in unmittelbarer Nähe von „Hettinger Forsthaus“ und Wasserhochbehälter des Zweckverbandes Bodenseewasserversorgung) wird ein großes Festzelt stehen. Das Einweihungsfest beginnt um 9:30 Uhr mit einem Festgottesdienst im Zelt und anschließender Segnung der Anlagen. Nach Grußworten von Landrat, Bürgermeister, Ortsvorstehern und Abgeordneten wird ab 12 Uhr ein gemeinsames Mittagessen angeboten. Für die Bewirtung und den reibungslosen Festbetrieb sorgen die Freiwilligen Feuerwehren aus Hettingen und Rinschheim. Die Musikvereine beider Ortsteile geben der Festlichkeit den passenden musikalischen Rahmen. Ganz unter dem Motto „Bunter (Kinder-) Nachmittag im Windpark“ geht es ab 13 Uhr weiter. Hüpfburg, Luftballonwettbewerb, Kinderschminken, Ballonmodellieren, Malzelt aber natürlich auch Informationen beim „Tag der offenen Windmühlentür“ sorgen für einen kurzweiligen Nachmittag, der mit Kaffee und Kuchen zusätzlich „versüßt“ wird. Ab 18 Uhr heißt es dann „Gemütlicher Ausklang im Festzelt“!

Die Betreibergesellschaft des Windparks sowie die Freiwilligen Feuerwehren Hettingen und Rinschheim als Festveranstalter laden die Bevölkerung ganz herzlich zum „Windmühlenfest“ ein!

Informationen und Fotos zum Projekt: www.windpark-grosser-wald.de

3 Kommentare zu „11.5. Einweihung größter Bürgerwindpark in Baden-Württemberg“

  1. Rainer sagt:

    Gestern „25. April 2014 - 3. MPS Energie Gespräch Bergstraße “Neue regionale Vermarktungsmodelle für Ökostrom” mit dem Referent Josef Werum“ war (für mich) eine gute Fortsetzung was Thorsten Zoerner vor einigen Wochen in Bensheim begonnen hatte.

    Für mich (ich mag ja den falschen Eindruck haben), zeigt dieser Vortrag ein weiteres mal, wie wenig der tatsächliche physikalischer „Stromfluss“ mit dessen Vermarktung gemeinsam hat. Das heißt nicht, ich hätte auch nur die geringste Idee, wie das vernünftiger Weise anders geschehen könnte.

    Diese Abstraktion der realen Verhältnisse „versteckt“ sehr gut wo die Veränderungen ansetzen müssten. Nur durch „Vermarktungsvoodoo“ ist es möglich el. Ströme über Ländergrenzen hinweg zu „transportieren“. „Real“ kommt das benötigt Kontingent (aka. „Wasserstrom“) nie über andere Netze hinweg an seinem „Verrechnungspunkt“ tatsächlich an.

    Bei Politikern hat diese Scheinrealität die Basis für die irrsinnigsten Behauptungen gelegt. Eine davon, „PV-Strom“ (weil überflüssig) fließe „irgendwie ins Ausland“ um dort quasi „verschenkt“ zu werden. Wahr ist, virtuell wird auch PV-Strom so behandelt, als wäre er „á Block“ verfügbar. Tatsächlich wird aber der Überschuss aus Kohlestrom vermarktet.

    Wie kann ich das nun jemandem nahebringen, der womöglich Börsenberichte, aber „Stromlaufpläne“ eben nicht „lesen“ kann ?

    Ganz klar, lokal in kleinen Dachanlagen erzeugter PV-Strom, kann das jeweilige Ortsnetz überhaupt nicht verlassen. Ob es je bei „Vollausbau“ dazu kommt, wissen die Götter. Was der „lokale PV-Strom“ jedoch zuverlässig verhindert, sein Anteil verhindert, das anderer Strom (egal woher) dort fließen kann.

    Das ist die Umkehr von „Zentralversorgung“ zur „dezentralen Versorgung“. Was „lokal“ erzeugt wird, wir gleich auch „lokal“ genutzt - „verbraucht“. Vorteil, so gut wie keine „Transportverluste“. Keine Vernichtung von „Primärenergie“ - aber nur, wenn dazu das Kohlekraftwerk NICHT gleichzeitig Überschuss produzieren würde !

    Mit der Vermarktung von Strom werden all diese physikalischen Prozesse erfolgreich in den Hintergrund gedrängt. Jeder dem etwas daran liegt, kann behaupten was ihm Vorteile verschafft.

  2. Rainer sagt:

    Wer nun glaubt, mir wäre glücklicherweise die Tinte ausgegangen, irrt leider. :roll:

    Aus dem Vortrag von Herrn Josef Werum (und einigen Kommentaren aus dem Publikum) hat sich mir einmal mehr die Dimension der vollbürokratischen Selbstfesselung unseres Systems „erschlossen“.

    Die derzeitigen Bestimmungen zementieren ein el. Versorgungssystem, welches eher NICHT zukünftigen Herausforderungen gewachsen ist.

    Um eine „Gebiet“ versorgen zu dürfen, müssen alle „Versorgungseinheiten“ (aka. „Kraftwerke“) in der selben Weise messtechnisch „erfasst“ werden. In „Echtzeit“. Was da sinnvoll auf relativ große Kraftwerkseinheiten angewendet werden muss – schließlich ist deren „Hebel“ länger, als bei einem popeligen PV-Kleinkraftwerk, ist nun ein Hindernis, auch kleinste Einheiten lokal zu Versorgungsclustern zusammenzufassen. Nach unten „rechnen“ sich, ob des Messtechnischen- und des daraus entstehenden Verwaltungsaufwands, nur Anlagen >300 kWp oder eben diese „Nennleistung“.

    Alles darunter wird schlich nur am Ende des Jahres bei der Abrechnung erfasst. Egal wie groß in der Summe, diese „Erzeuger“, dies bleiben schlicht außen vor.

    Nach den derzeitigen Bestimmungen, müsste also für jede einzelne Anlage eine „Echtzeiterfassung“ realisiert werden um sie in ein sowieso „virtuelles Cluster“ einbauen zu können. Obwohl Herr Josef Werum die „Werkzeuge“ (entsprechende Computerprogramme) dafür entwickelt hat und ansonsten erfolgreich anwendet, wäre der bürokratische Aufwand, aber auch der messtechnische Aufwand, derzeit gigantisch, um z.B. (wie vorgeschlagen) alle ~270 PV-Kleinanlagen allein unserer Mitglieder, als „Versorgungseinheit“ zu bündeln um deren Output „direkt zu vermarkten“.

    „Nur“ mit entsprechenden größeren Einheiten z.B. WKA ließe sich da „etwas“ realisieren. Nach meinem ersten Eindruck gäbe es ganz sicher eine Reihe von „Modellen“ in denen zunächst erprobt werden könnte inwieweit etwas „gebündelt vermarktet werden könnte“, was derzeit wie „Abfall“ an einer Börse verramscht wird. Mit der „erfreulichen segensreichen Wirkung“, gleich noch als „Totschlagargument“ für EE generell zu dienen.

  3. Reinhard Düsterhöft sagt:

    Für uns als Waldgemeinde Oberursel “Die Waldgemeinde” ist es eine Freude, von dieser Festveranstaltung zu hören.

    Bei so viel negativen Nachrichten, ein positiver Leuchtturm den es zu würdigen gilt. 7.000 Haushalte werden dadurch mit Strom versorgt. In Baden Württemberg ist es das größte Projekt in Bürgerhand.
    Ein Beweis, dass Energiewende in Bürgerhand gelingt. Kohle- und Atomstrom bedeuten Rückschritt und höhere Stromkosten, aber 100% erneuerbare Energie, die auch in Deutschland nutzbar sind und was die Kosten betrifft, immer günstiger werden, machen uns autonom und unabhängig.
    Festveranstaltingen am 8.5. in Mörlenbach/Weschnitzal, 12.5. in Mauer/Elsenztal und 13.5. in Mosbach/Neckar-Odenwald-Kreis.

    Unabhängigkeit fördert Gerechtigkeit und den Frieden in der Welt!!!

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