Stürmische und sonnige Weihnachten!

Um es vorweg zu schicken: Es ist Weihnachten und bald beginnt das Neue Jahr. Da wird in der Regel viel gegessen und man hat ein bisschen mehr Zeit als sonst. Man blickt auf das vergangene Jahr zurück und voraus auf das Kommende.

Passend dazu ist in den letzten Tagen der folgende Beitrag entstanden, der dem vielen leckeren Essen ein wenig geistige Nahrung entgegensetzt - nicht ganz leichte Kost allerdings. Der Beitrag verkündet keine ewigen Wahrheiten, aber er versucht einiges sonst Unzusammenhängende in einen Zusammenhang zu stellen. Er will definitiv zu Diskussionen Anlass geben und auch ein wenig frohe Botschaft verkünden.

Erneuerbare Energien haben wohl mehr als vieles andere das Potential Frieden auf Erden zu bringen. Und da wird es dann doch noch ein wenig weihnachtlich bei einem Artikel, der an vielen Stellen alles andere als weihnachtlich ist.

Wer anfängt diesen Beitrag zu lesen, tut das auf eigene Verantwortung. Er sollte auf jeden Fall schon einmal gründlich Zeit einplanen und den Artikel auch zu Ende lesen - und sich spätestens bei einem 2. Durchlauf die Verlinkungen ansehen. Sonst verpasst er auch einen wichtigen Teil der guten Nachrichten. Und das wäre dann doch sehr, sehr schade.

Was in den erneuerbaren Energien steckt, hat die Windeinspeisung der letzten Tage gezeigt. “Zu viel Windstrom” titelten einige Zeitungen. Und sofort wurde der Ruf nach neuen Trassen laut, weil der Windstrom nicht mehr genutzt werden könne. Der falsche Weg.

Neue Trassen lösen zentrale Probleme eines zukünftigen Energiesystems mit sehr hohen Anteilen Wind- und Solarstrom nicht (siehe dazu auch: “Wie es gehen könnte” und “Die großen Linien stimmen nicht“)

Voran getrieben werden müssen Modelle, die lokale und regionale Energiezellen miteinander vernetzen (siehe auch “Die Energiewende kommt dezentral - mit virtuellen Kraftwerken und Smart Grids“):

Statt neue Trassen zu bauen, ist es viel naheliegender, zunächst einmal überschüssigen Windstrom - den wir ja noch gar nicht haben! - in Wärmespeichern unterzubringen, im Winter damit unsere Häuser zu heizen und Öl und Gas einzusparen.

Wir erleben gerade eine völlig paradoxe Situation: während sich weltweit ein Boom der Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt,

zerstören die von der allseits beliebten Kanzlerin (siehe auch “The Astonishing Rise of Angela Merkel“) geführten Koalitionen (CDU/FDP und CDU/SPD) systematisch den politischen Rahmen für die weitere Entwicklung in Richtung 100% erneuerbare Energien.

Obwohl Angela Merkel seit vielen Jahren die Garantin der Demontage ist (Bild anklicken), wird ihr diese Demontage nicht zugerechnet.

Das EEG wurde zu einem Bürokratiemonster aufgebläht und der Rahmen so gesetzt, dass die Akteure der Bürgerenergie, darunter zahlreiche Solarunternehmen und Energie-Genossenschaften, an den Rand oder in den Ruin gedrängt wurden. Mit den festgelegten Zielkorridoren für den Ausbau von Wind- und Solarkapazitäten, können keine ernstzunehmenden Energie- und Klima-Ziele erreicht werden.

Den tatsächlichen Ausbau der Nutzung von Wind- und Solarenergie an den - von der Regierung gesetzten - “Korridoren” zu messen, ist grundfalsch, wird aber leider auch von vielen Akteuren im Bereich der Erneuerbaren Energien gemacht. So als hätten die willkürlichen Korridore irgendeinen anderen Sinn, als den Zuwachs an Wind- und Solaranlagen im Interesse der alten Energiewirtschaft auszubremsen.

Dabei geht auf dem Weg zu 100% Erneuerbaren Energien nichts an einem massiven Ausbau der Wind- und Solarnutzung vorbei. Alles andere sind flankierende Maßnahmen (siehe auch “Wie es gehen könnte” und “Die großen Linien stimmen nicht“). Volker Quaschning ist einer der wenigen, die sich dazu klar und deutlich äußern.

Am stärksten getroffen wurde von der Demontage der sogenannten “Energiewende” bislang der Solarbereich, der gleichzeitig der Bereich ist, der das größte Potential zur Lösung der Energie- und Klimaprobleme weltweit hat.

Als Drachentöter und Kohleschutzminister hat Gabriel dem “Solarmonster” (siehe “Anarchie und Horror durch Solarmonster“) erfolgreich den Kopf abgeschlagen - in Fortsetzung der Politik seiner Vorgänger Rösler und Altmaier (siehe “Vorsicht! Nebelkerzen und Torpedos“), was industriepolitisch ein Irrsinn ist und mehr als 50.000 Jobs gekostet hat. Von Klima- und Sicherheitspolitik ganz zu schweigen.

Auf der anderen Seite hat Gabriel gerade die Unterstützung für den Export von Kohlekraftwerken durch die KfW abgesegnet.

Warum tut der Mann das? Leider wohl nicht als “Paradoxe Intervention“.

Flankiert wird die GROKO (GROße KOnfusion) energiepolitisch durch eine Reihe prominenter Grüner, die sich mit den Rollen “Kämpfer gegen Kohle und Atom und für Erneuerbare”, “Konsensorientierte Wegbereiter für eine schwarz-grüne Bundesregierung”, “machtlose Opposition im Bundestag”, “Minderheit in einer Landesregierung, deshalb wenig Einfluss, aber dennoch staatstragend”, “strategische Hinterzimmer-Drahtzieher mit den überlegenen Konzepten” und “Natur- und Landschaftsschutz statt Windräder vor Ort” streng an das gute alte Rotationsprinzip halten. Die Rollen scheinen ihnen alle so gut zu gefallen, dass sie sich für keine wirklich entscheiden können.

Dabei hängen die Grünen vielfach Konzepten an, die den Weg zu 100% Erneuerbare ausbremsen, statt ihn zu beschleunigen. Die “Sonnensteuer” ist ein Beispiel dafür.

Viel unglaublicher als die Unterstützung der Sonnensteuer durch Teile der grünen Länderminister ist eigentlich nur noch, dass die Idee der “Sonnensteuer” nicht nur von einem Teil der Grünen unterstützt wurde, sondern offenbar von ihnen selbst stammt (siehe auch “Vorschläge zur Entlastung der Stromkunden“).

“100% Erneuerbaren Energien in Bürgerhand” steht derzeit bei keiner Partei im Zentrum der realen Politik. Einzelne vorbildliche Politiker dafür gibt es in (fast) allen Parteien. Die Linken sind z.B. in Brandenburg durchaus für die Fortsetzung der extrem zerstörerischen Braunkohlenutzung. In Hessen haben sie aber mit Janine Wissler eine überzeugende Kämpferin für die Erneuerbaren:

Klimaverhandlungen, Europäischer Emissionshandel, “Heranführung erneuerbarer Energien an den Markt”, Ausschreibungen und große Stromtrassen gehören zu den Konzepten, die zwar weder theoretisch noch praktisch ihre Überlegenheit unter Beweis gestellt hätten, aber dennoch eine breite Akzeptanz unter denjenigen geniessen, die eigentlich 100% Erneuerbare Energien wollen. Fatal.

Wie konnte sich eine so weitgehende Verwirrung bei den energiepolitischen Konzepten durchsetzen? Sie wurde von langer Hand hoch professionell gesteuert. Die Urheber sind leicht zu finden. Letztlich alle, die von einer Verzögerung des Umbaus zu Erneuerbaren Energien profitieren (siehe dazu auch “Von Attacken und Silberstreifen“).

Statt offen gegen die Erneuerbaren Energien Position zu beziehen, hat die Lobby der atomarfossilen Energiewirtschaft geschickt mit Begriffen wie Klimaschutz, Energiewende, Markt, Effizienz, Wettbewerb, Arbeitsplätzen, Sozialverträglichkeit und gesellschaftlichem Konsens operiert.

Wer wollte sich dem schon entgegen stellen? Viele Wohlmeinende sind darauf herein gefallen oder tatsächlich fest davon überzeugt, dass sie auf einem effizienten Weg der Zielerreichung wären. Sie sind es nicht.

Die Systematik der Energiewende-Demontage wird von vielen in der Bevölkerung nicht einmal bemerkt. Sie verbuchen das unter dem Stichwort “Energiewende-Chaos” und das Ausland ist mittlerweile teilweise erfolgreich abgeschreckt. Ein zentrales Ziel der globalen Lobby der alten Energiewirtschaft ist damit erreicht. Deutschland ist kein leuchtendes Vorbild mehr.

Die Diskussion um eine neue Energiemarkt-Ordung ist voll im Gange. Der nächste Schritt auf dem Weg zur vollständigen Abschaffung des bereits substantiell ausgehöhltes EEG ist die Einführung von Ausschreibungen.

Damit “100% Erneuerbare Energien in Bürgerhand” eine Chance haben, ist es wichtig, dass die Akteure an der Basis sich in die Diskussion einmischen und das Ganze nicht denjenigen überlassen, die weder ein Interesse an 100% Erneuerbaren noch an einer bürgerschaftlichen, dezentral organisierten Energieversorgung haben. Hier einiger Stoff dazu:

Wir sollten die Weichenstellungen für die Zukunft der Energieversorgung mit Sicherheit auch nicht Agora Energiewende, der inoffiziellen Stabsstelle des grünen Staatssekretärs Rainer Baake im Wirtschaftsministerium überlassen. Er ist Architekt der EEG-Deform. Baake hat den “Think/Sink Tank” Agora gegründet und vertritt viele energiepolitische Konzepte, die völlig untragbar sind.

Interessant ist, wer im Rat der Agora dabei ist und wer nicht. Wenn man sich das anschaut, verwundert kaum, warum die gleichen falschen Konzepte von vielen auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen prominenten Akteuren vertreten werden - eine Art sanfter konsensual-konzeptioneller Gleichschaltung. Der “Rat der Agora” spricht nach den Chatham House Regeln “offen und vertrauensvoll” ohne Vertreter der dezentralen Bürgerenergie für 100% Erneuerbare, aber mit ausgeprägten Lobbyisten der alten Energiewirtschaft, hinter verschlossenen Türen. Demokratie geht anders.

Dass eine ernsthafte Opposition gegen die aktuelle Energie-Politik und ihre zerstörerischen Konzepte nur selten zu erkennen ist, könnte viel mit Agora (siehe oben) zu tun haben. Agora ist zum Scharnier für die GAGROKO - die ganz große Koalition - geworden, in die auch die Grünen in Bund und Ländern eingebunden sind. Inzwischen dominiert eine Politik “vorauseilender Kompromisse”, in der bestimmte Konzepte von vorn herein wegen angeblich fehlender Mehrheiten und mangelnder Akzeptanz gar nicht mehr propagiert werden.

Vielleicht ist es aber eher so, dass Mehrheiten für vernünftige Konzepte nicht gewonnen werden, weil die Menschen, die mehrheitlich den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien wollen, schlüssige Konzepte gar nicht mehr angeboten bekommen. Hermann Scheer hat früher beides geleistet: Die Konzepte angeboten und Mehrheiten dafür organisiert.

Zum Abschluss noch ein Blick auf weltweite Entwicklungen im Bereich Energie.

International werden nach wie vor große atomare und fossile Projekte wie die Keystone-Pipeline oder neue Atomkraftwerke in England vorangetrieben, gegen die sich aber immer stärkerer Widerstand formiert.

Unabhängig davon scheint sich bei Investoren zunehmend die Erkenntnis breit zu machen, dass die Finanzierung von atomarfossilen Projekten mit Risiken behaftet ist und alles andere als eine “sichere Bank”- und das nicht erst seit der Ölpreis abgestürzt ist.

Noch schneller würden sich diese Erkenntnisse durchsetzen, wenn fossile und atomare Subventionen weltweit gestrichen würden (siehe dazu auch “Atomarfossile an den Markt heranführen“):

Und nun zur positiven Seite der Entwicklung. Der parallel zum Crash in Deutschland ablaufende weltweite Solar- und Wind-Boom wird vor allem durch die inzwischen extrem günstigen Preise für Wind- und Solaranlagen getrieben. Für diese Preisentwicklung ist das deutsche EEG verantwortlich, das weltweit kopiert, in Deutschland aber - wie oben erwähnt - bereits bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde.

Einige Schlaglichter zur weltweiten Entwicklung: Indien setzt zwar derzeit nach wie vor auf Kohle, aber Photovoltaik ist auf dem Weg zum Mega-Strom-Lieferanten, China installiert unter anderem wegen der katastrophalen Luftqualität Erneuerbare und Saudi-Arabien hat verstanden, dass es nicht nur viel Öl, sondern auch viel Sonne hat.

Einen sehr guten Beitrag zur weltweiten Perspektive hat die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien IRENA geliefert.

Mit diesem hoffnungsvollen Ausblick in die weltweite Zukunft der Erneuerbaren zum Abschluss: Stürmische und sonnige Weihnachten für alle! Und einen guten Jahresbeginn 2015!

3 Kommentare zu „Stürmische und sonnige Weihnachten!“

  1. 1. Mai 2015: Die Energierevolution kommt! sagt:

    [...] Mai 2015: Die Energierevolution kommt! Wenn Sie vor lauter Energiewende-Simulanten und -Zerstörern in der bundesdeutschen Politik die Hoffnung verloren haben, sehen Sie sich die unten stehenden Meldungen von drei neuen großen [...]

  2. Die Welt ist ein Seerosenteich sagt:

    [...] GAGROKO-Politik unter Führung der allseits beliebten CDU-Kanzlerin Merkel setzt auf kontrollierte [...]

  3. We focus our energy for all sagt:

    [...] Wir treiben Mikro-Photovoltaik-Systeme voran. Wir haben die Energiewende auf einen Bierdeckel gebracht, so dass sie jeder verstehen kann und bringen gerade eine Solarkampagne für alle auf den Weg. Wir bieten in der ganzen Region MPS Energie Gespräche an und planen die nächste VOLLER ENERGIE-Konferenz am 4./5. März 2016. Eine Konferenz für alle, die 100% Erneuerbare Energien wirklich wollen, statt sie mit falschen Botschaften, Gesetzen und Winkelzügen zu blockieren! [...]

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