Schulversagen kein Karrierehindernis

VOLLER ENERGIE 2016: 100% Erneuerbare 2030 - Wer macht das Spiel?

In der Masse und Komplexität der Veröffentlichungen zum Thema Energie und Klima ist es nicht immer ganz leicht den Überblick zu behalten. Deshalb gibt es hier Hinweise auf ein paar ganz einfache Rechnungen: Bundesregierung, MetropolSolar, Bundesverband Erneuerbare Energien, Tony Seba, Bill Gates und Greenpeace. Zauberwort: Komplexitätsreduktion.

Bundesregierung

Im Eckpunktepapier für das EEG 2016 von Rainer Baake (grün) und Sigmar Gabriel (rot), beide Bundeswirtschaftsministerium, steht im ersten Satz, dass es bei den Erneuerbaren in den nächsten 10 Jahren nur noch ca. 1 Prozentpunkt pro Jahr Ausbau geben soll - was fast einem Ausbaustopp entspricht. Einigen (schwarz und AfD) geht das sogar immer noch zu schnell. Im Jahr 2050 will die Regierung 80% Stromanteil aus erneuerbaren Energien erreichen. Und damit sollen dann Energiewende und Klimaschutz auf einem guten Weg sein (Koalitionsvertrag, ab Seite 49).

MetropolSolar

Die Energiewende auf dem Bierdeckel” rechnet mit Grundschulmathematik (Mengenlehre reicht aus!) vor, dass an einem massiven Ausbau der Nutzung von Wind und Sonne kein Weg vorbei führt. Der Beitrag zeigt, warum die aktuellen Weichenstellungen der Politik jenseits von Gut und Böse sind und sich diese Politik nicht mehr lange aufrecht erhalten lässt. Dass die Zukunft vielleicht anders aussehen könnte und sollte, als von der Regierung bislang offiziell verkündet, hat auf Twitter immerhin schon mal der Staatssekretär im Umweltministerium Jochen Flasbarth festgestellt (hier anklicken). Mal sehen, wann der Knoten platzt.

Bundesverband Erneuerbare Energien

Der Bundesverband Erneuerbare Energien rechnet - ebenfalls auf einem Bierdeckel - vor, dass mit dem beschlossenen Atomausstieg bis 2023 rund 90 Terrawattstunden Kernenergie aus dem deutschen Energiemix wegfallen. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung zum weiteren Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse mit 50 Terrawattstunden reichen aber bei weitem nicht aus, um die Lücke zu schließen (siehe Bierdeckel oben und ausführlicher hier).

Tony Seba

Tony Sebas Buch “Clean Disruption of Energy of Transportation”, dessen Übersetzung ins Deutsche wir inzwischen fast abgeschlossen haben, ist voll von einfachen Rechnungen, die jeder verstehen kann. Ergebnis: 100% Erneuerbare 2030 global. Und: Wer weiter in atomarfossile Energien investiert, investiert in Ruinen - es sei denn, eine Regierung rettet ihn. Für Vorträge von Tony Seba: hier anklicken

Bill Gates

Bill Gates macht eine ganz einfache Rechnung auf: P x S x E x C = CO2 und kommt zu dem Schluss, dass an einem ganz schnellen Abschied von den Fossilen kein Weg vorbei führt (hier anklicken).

P steht für Population (Weltbevölkerung; nimmt zu), S für Service (Dienstleistungen pro Kopf; nehmen zu), E für Energy (Energieintensität von Dienstleistungen; nimmt etwas ab, weil wir effizienter werden) und C für Carbon Dioxide (Kohlendioxidausstoss der Energieproduktion für die Dienstleistungen; muss zwingend Richtung Null, damit die rechte Seite der Gleichung nicht explodiert). Vielleicht würden Bill Gates selbst auch ein paar einfache Rechnungen helfen, um zu verstehen, dass Atomkraft unbezahlbar und keine “Clean Energy” ist.

Greenpeace

Greenpeace hat gerade nachrechnen lassen: “Was bedeutet das Pariser Abkommen für den Klimaschutz in Deutschland?“. Ergebnis: wir müssen im Jahr 2035 in Deutschland 100% Erneuerbare erreichen.

Was ist nur mit den “Freunden der Erneuerbaren” los?

Während Greenpeace gerade festgestellt hat, dass wir radikale Konsequenzen brauchen, finden sich auf den eigenen Seiten von Greenpeace allerdings noch ganz andere Ziele (hier anklicken). Zeit mal gründlich aufzuräumen. Und dem “Kohleausstieg 2040″ von Agora Energiewende den Kampf anzusagen.

Dem könnten sich auch andere Organisationen, die eigentlich für Erneuerbare und Bürgerenergie stehen, anschließen - statt in Berlin “Appeasement” zu betreiben. Selbstverständlich ist das Appeasement für einen guten Zweck: um den Zugang zur Politik nicht völlig zu verlieren und immer in der Hoffnung, dass den Erneuerbaren und der Bürgerenergie von der Regierung der Kopf nur halb und nicht ganz abgeschlagen wird.

Aber was hat diese Strategie in den vergangenen Jahren gebracht? Und wie gut lebt es sich mit halbem Kopf?

Grundschulmathematik und komplexe Systeme

Bleibt noch die Frage, was dabei heraus kommen soll, wenn eine Bundesregierung, die nicht 2 und 2 zusammen zählen kann oder will, über so komplexe Dinge wie “Digitalisierung der Energiewende”, “Strommarkt-Design”, “Netzausbau” und ähnliches redet und entscheidet. Denn das ist wirklich nicht so einfach. Und da reicht Grundschulmathematik mit Sicherheit auch nicht mehr aus.

Schulversagen kein Karrierehindernis

Wenn man nicht 2 und 2 zusammenzählen kann, bleibt man in der Schule sitzen. Aber keine Sorge: schlechte Leistungen in der Schule müssen einer großen Karriere und einem guten Einkommen nicht im Wege stehen. Denn dafür spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Man kann später zum Beispiel noch einen “Think Tank” betreiben und Staatssekretär oder Minister werden. Das hat eine gewisse Tradition. Früher konnte man mit grundlegenden Schwächen in Geographie (”Die Erde ist eine Scheibe”) und Biologie (”Jungfrauengeburt”) sogar Papst werden.

Also, liebe Kinder: wenn es in der Schule nicht so läuft, Kopf nicht hängen lassen!

Wer wissen will, wie “100% Erneuerbare 2030″ gelingen können, sollte sich noch zu unserer Konferenz “VOLLER ENERGIE 2016: 100% Erneuerbare 2030 - Wer macht das Spiel?” am 4./5. März in Mannheim anmelden. Alle Infos dazu auf www.metropolsolar.de und garantiert völlig sachlich und neutral beim Sonnenflüsterer :-)

Unsere Referenten und Moderatoren haben sicher nicht für alles die fertigen Konzepte, aber mit Sicherheit ein paar richtig gute Fragen und Lösungsansätze, die wir dann zusammen diskutieren können.


2 Kommentare zu „Schulversagen kein Karrierehindernis“

  1. Kilian Rüfer sagt:

    Der strategische Kerngedanke ist: Setzt man in seinen Zielforderungen auf Totalkonfontation oder trägt man etwas von dem Fatalen mit, um einen Fuß in einflussreichen Türen zu behalten. Ich bin für optimistische Forderungen, ohne Angst vor einer Isolierung zu haben.

    Wie hast Du 1 % Wachstum errechnet? Die Tendenz stimmt ja.

    32,6 Prozent* auf 40 bis 45 Prozent in 2025 = 9 Jahre, 7,4 bis 12,4%
    55 bis 60 Prozent in 2035 = 10 Jahre, 10 % bis 20%
    mindestens 80 Prozent bis 2050, 15 Jahre min. 20% bis min 25%

    Ich fände es gut alle Ansätze auf Prozent Wachstum pro Jahr zu rechnen und die Sektoren zu klären - oder erst einmal nur Strom zu vergleichen, wo es doch gerade um das EEG geht.

  2. Daniel Bannasch sagt:

    Als Antwort auf die 1%-Punkt-Frage: 2016-2025 sind 10 Jahre. 1%-Punkt pro Jahr, wären 10%-Punkte mehr bis 2025. Das liegt genau in der Mitte des sogenannten Zielkorridors.

    Es geht nicht nur um Strom. Entscheidender Stichpunkt ist das Thema Sektorkoppelung. Strom muss Wärme und Mobilität mitversorgen und das bedeutet, dass wir einen massiven Ausbau brauchen. Alles erläutert im Vortragsvideo “Energiewende auf dem Bierdeckel” auf unserem Youtube-Kanal.

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