Studien, Studien, Studien

Wir werden täglich mit neuen Studien zugeschüttet, die man alle einzeln in ihren Annahmen und Abgrenzungen prüfen müsste. Das ist völlig unmöglich - schon aus Zeitgründen.

Wir werden auch keine Einigkeit erzielen, selbst, wenn wir das alles lesen, weil es völlig unterschiedliche Einschätzungen, Annahmen und Bewertungen gibt, die an vielen Stellen nicht objektivierbar sind. Am Ende stehen dann irgendwelche Zahlen da, die eigentlich politische Aussagen sind oder Weltbilder malen, aber so aussehen, als seien sie irgendwie exakt. Und damit wird dann die öffentliche Meinung regelmäßig in die eine oder andere Richtung manipuliert. Dabei geht es nicht um Feinheiten.

Die Absurditäten, die wir täglich von Volkswirten präsentiert bekommen, sind enorm. Staatssekretär Rainer Baake, der immer so tut, als hätte er den Masterplan für die Energiewende in der Tasche, ist auch so ein Volkswirt - und er erklärt wunderbar, warum das, was die Regierung gerade energiepolitisch tut, volkswirtschaftlich sinnvoll sei, während man gleichzeitig mit bloßem Auge erkennen kann, dass die Weichenstellungen grundfalsch und in sich völlig widersprüchlich sind. Es reicht, sich dazu zum Einstieg den Vortrag von Volker Quaschning “Energiewende bald ohne Klimaschutz und Bürgerenergie?” anzuschauen.

Ich bin Volkswirt und habe mich vor vielen, vielen Jahren als Korrekturleser intensivst mit einem Standardwerk zum “Volkswirtschaftlichen Rechnungswesen” (Stobbe) befasst. Im 8. Kapitel des Buches steht drin, dass alle nicht berücksichtigten Effekte beim Volkswirtschaftlichen Rechnungswesen so groß sind, dass man alles, was man in den 7 Kapiteln vorher so vermeintlich exakt berechnet hat, eigentlich vergessen kann. Spätestens seit dieser Zeit weiss ich, dass man bei Zahlen in der Regel entweder mit dem dicken Daumen oder mit einer wirklich sehr, sehr gründlichen Analyse arbeiten muss. Zwischendrin gibt es wenig.

Die geforderte “ehrliche und transparente Kostendebatte” beim Thema Energie ist eine Illusion und letztlich Beschäftigungstherapie und Ablenkungsmanöver. Die Forderung danach bringt vor allem die in der öffentlichen Diskussion ins Hintertreffen, die am meisten für die Energiewende real getan haben: Millionen Bürger, kleine und mittlere Unternehmen, Landwirte etc. - ihnen fehlen nämlich die zeitlichen und finanziellen Ressourcen für die Diskussion und die Mittel, um die Debatte in den großen Medien zu dominieren. Ob etwas in den Medien durchdringt, hat regelmäßig nichts mit dem Wahrheitsgehalt, sondern mit dem Sensationswert einer Meldung zu tun.

Die Frage, ob 100% Erneuerbare teuer oder billig sind, ist längst entschieden - für die Erneuerbaren mit der Sonne im Zentrum. Dafür brauchen wir nicht ständig neue Studien und Kostendiskussionen.

Selbst, wenn alle “das Richtige” erkennen würden, würden sie noch lange nicht “das Richtige” tun - schlicht und einfach, weil es sehr unterschiedliche Interessen gibt.

Das sollten eigentlich alle wissen, die sich mal mit Hermann Scheer beschäftigt haben. Heute ist sein 6. Todestag (Hermann Scheer-Stiftung & Vortragsvideos)

Siehe dazu auch: http://blog.metropolsolar.de/2016/10/zahlen-bitte-lobbyisten-kosten-537-trio/

Weitere Hinweise: “EEG 2017: Comeback-Versuch der Kostendiskussion” und “Mein Plädoyer für eine ehrliche und transparente Kostendebatte

1 Kommentar zu „Studien, Studien, Studien“

  1. Roth Friedrich Lindenfels-Seid. sagt:

    Samstag den 15.Oktober 2016

    Der Beitrag stellt in Grunde die Situation richtig dar.

    Doch, um die Ziele zur rechtzeitigen Erreichung der Energiewende nahe 100% zu erreichen, sind noch einige technische Hürden,im Bereich-Speicherung und Wandlung- in verwertbare Nutzungsformen zu nehmen.

    Hier ist massiver Einsatz an staatlicher Forschungsunterstützung erforderlich!

    Einrichtungen und geeignetes Personal ist vorhanden- Anreize und Mittel jedoch sind nicht in Sicht.

    Die Bereitstellung von elektrischer Energie durch Anlagen, die durch Sonne und Wind erreicht wird, ist noch sehr lückenhaft, die Nutzung solarer Wärme beschränkt sich auf wenige Kleinanlagen in Privatbereich.

    Gerade auf dem Gebiet der solaren Wärme liegt das große Potenzial, welches uns- nach Entwicklung geeigneter Niedertemperaturwandler- Elektroenergie jederzeit bereitstellen kann.

    Goßwärmespeicher in Form poröser Masse ergänzt durch Feingranulate z.B. Zeolith ermöglichen es uns, ganzjährig ohne Versorgungslücken, mit Wärme und Strom zu versorgen!

    Es darf durch den Einsatz von Umweltenergie - Sonne und Wind- nicht ein neues chemisches Problem bei der Speicherung- in Form von Säuren- Laugen und Schwermetallen geschaffen werden!

    Anregungen in dieser Richtung sollten an die in Verantwortung stehenden Politiker herangetragen werden.

    Auf ein gutes Gelingen in der rechten Zeit.

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