Mannheim: Tesla Store und Block 9

Tesla hat einen neuen Store IN EINEM MODEHAUS eröffnet. Ein amerikanisches Unternehmen. Im Zentrum von Mannheim.

In Mannheim, der Stadt der Mobilität, in der Karl Drais mal mit EINEM Fahrrad losgefahren ist, und Bertha Benz mit EINEM Auto, wo es den ersten Traktor und den ersten Aufzug gab (siehe: “Mannheimer Erfindungen“) In Mannheim sollte man eigentlich wissen, was exponentielle, disruptive Entwicklungen sind.

Was hat der neue Tesla Store mit dem Kohleblock 9 zu tun?

Wer etwas nicht ernst nimmt, weil es klein ist, macht einen schweren Fehler.

Siehe dazu Tony Seba “Clean Disruption of Energy and Transportation” und die “Energiewende auf dem Bierdeckel” (siehe dazu “Klarheit und Orientierung: Clean Disruption und die Energiewende auf dem Bierdeckel” und Vorträge dazu auf dem MetropolSolar-Youtube-Kanal)

Exponentielle Entwicklungen waren auch schon Thema 2008 bei der Bürgerversammlung im Mannheimer Rosengarten zum damals geplanten Kohleblock 9 im Mannheimer Großkraftwerk. Wir haben damals die Wirtschaftlichkeit eines neuen Kohleblocks 9 in Frage gestellt bzw. vorausgesagt, dass Block 9 sich nicht rechnen wird.

Der Bau von Block 9 wurde auf Biegen und Brechen durchgezogen, obwohl zentrale Gutachten nicht (oder zumindest nicht öffentlich) vorlagen - und gleichzeitig Transparenz und Bürgerbeteiligung am Prozess behauptet. Faktisch wurden alle wesentlichen Einwände wurden vom Tisch gewischt oder für nicht stichhaltig befunden.

Der Vorstand der MVV Rudolf Schulten sagte in der Bürgerversammlung am 11. Juni 2008 damals wörtlich:

“Wenn Sie heute in einen Kohleblock investieren, das ist Risiko, so wie in jeder anderen normalen Branche auch. Wir wollen dieses Risiko eingehen, weil wir die Chancen deutlich höher werten als die Risiken.”

Von Seiten der Gegner von Block 9 wurde explizit gefordert eine externe Risikoanalyse einzuholen.

Oliver Decken (Mannheimer Umweltforum) wörtlich:

“Und was wir nicht vergessen sollten: der Block 9 ist ein erhebliches Risiko für das GKM! Das ist nicht meine Aussage. Das steht im Geschäftsbericht des GKM, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Ein erhebliches Investitionsrisiko. Ich meine, wenn das GKM dieses Risiko eingehen will, das ist Sache des GKM. Aber auch hier der Appell an die Stadt: Passen Sie auf. Was passiert mit der Stadt Mannheim? Die Stadt Mannheim ist über die MVV an diesem Bau beteiligt. Und wenn das zu einer Pleite wird und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, wenn man sich die Studien von…” (großes Gelächter im Saal) “Ich will es hier nur vermerkt haben. Die Gefahr ist sehr groß…. Ich bitte die Stadträte und den Oberbürgermeister und auch die Bürgermeister als verantwortliche Kräfte hier in der Stadt: HOLEN SIE EINE RISIKOANALYSE EIN. Ich meine jetzt keine ökologische, sondern eine wirtschaftliche Risikoanalyse bei einem unabhängigen Wirtschaftsprüfungsinstitut, das die Risiken, die auf die Stadt Mannheim zukommen durch den Block 9, bewertet. Vielleicht ist das Ergebnis ja harmlos.”

Daniel Bannasch (MetropolSolar) wörtlich:

“Ich möchte mich zu einem Punkt äußern, der die Innovation angeht. Wir sind hier in der Stadt von Karl Drais und Bertha Benz. Und alle wissen, wie das angefangen hat, nämlich ziemlich klein, und was dann daraus geworden ist. So sieht es aus mit Innovationen. So ist es passiert mit dem Computer. So ist es passiert mit dem Handy (…) Innovation bedeutet zum Beispiel, dass man im Bereich Wind in den letzten 20 Jahren eine Leistungssteigerung um den Faktor 500 hat (…) Solarstrom hat in den nächsten 10 Jahren das Potential unter den Steckdosenpreis zu fallen und dann gibt es Revolution im Markt. Das bedeutet, dass es billiger sein wird, den Strom vom Dach zu holen, als aus Kohle- und Atomkraftwerken. Und wenn Sie heute Atomkraftwerke anständig versichern müssten, dann wäre Atomstrom heute schon nicht konkurrenzfähig. (…) Wir haben bis heute keine Wirtschaftlichkeitsberechnung auf dem Tisch fürs Großkraftwerk. Es sind nicht einmal die einfachsten Zahlen, was die Wirtschaftlichkeit von Block 9 angeht auf dem Tisch (….) Ich sage vorher: Kohle wird gegenüber den Erneuerbaren und Effizienz schlicht und einfach wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig sein. Und das wird nicht lange dauern.”

Damals gab es großes Gelächter im mit über 1000 Menschen besetzen Saal im Mannheimer Rosengarten.

Und weiter: “Es ist angesprochen worden: warum bin ich denn gegen Block 9, wenn der so viel besser ist als alles andere, was vorher da war. Ich habe versucht, das vorher deutlich zu machen. Es geht um Innovation. Innovation bedeutet, dass, wenn man was erfunden hat, zum Beispiel (…) das Auto, das ist immer weiter entwickelt worden. Und das ist eigentlich ein gutes Beispiel: das Auto ist an dem Punkt angekommen, wo es erhebliche Probleme hat, überhaupt noch dem gerecht zu werden, was heute gefordert ist. Es geht nicht darum, ob das Auto 8 oder 6 Liter verbraucht, sondern ob es ein Benzin- oder Diesel- oder ein Elektroauto ist. Und Daimler-Chrysler hat es bis heute nicht geschafft. Das wird entscheidend sein. (…) Elektroautos werden auch wiederum einen Beitrag zur Netzsteuerung leisten.”

Diese Aussagen stammen aus dem Jahr 2008!

Inzwischen ist klar, dass wir recht hatten. Um diese Aussagen zu machen, musste man gar nicht prophetisch sein. Man musste nur die Augen vor dem Offensichtlichen nicht verschliessen und WISSEN WOLLEN, WAS MAN WISSEN KONNTE.

Aber es gab einfach bei zu vielen zu viel Interesse, das Offensichtliche nicht sehen zu wollen. Oder auch “Es ist schwierig, Dinge zu verstehen, wenn man dafür bezahlt wird, sie nicht zu verstehen” (siehe dazu auch Hermann Scheer in seinem Vortrag bei VOLLER ENERGIE 2010 in Mannheim)

Dass der Oberbürgermeister bis heute bestreitet, dass man 2008 hätte wissen können, wenn man hätte wissen wollen, ist einer aktuellen Diskussion auf Facebook zu entnehmen. (Siehe auch “Populismus, Demokratie & Block 9“).

1.300 Mio. EUR (ursprünglich geplant erst 750 Mio. später 1.200 Mio. EUR) wurden insgesamt in eine “Investionsruine” gesteckt. Die MVV ist am GKM mit 28% beteiligt ist. Die Stadt wiederum ist mit 51% an der MVV beteiligt. Das heisst, die Mannheimer Bürger sind mit rund 200 Mio. am Bau von Block 9 beteiligt.

Heute ist die Hauptversammlung der MVV im Mannheimer Rosengarten.

Wäre eigentlich Zeit für die Aktionäre dem Oberbürgermeister der Stadt Mannheim Dr. Kurz, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der MVV ist, mal ein paar Fragen zu stellen.

Und der wiederum könnte dem ehemaligen Mannheimer Oberbürgermeister und ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der MVV Gerhard Widder, der mit 76 Jahren heute noch Aufsichtsratsvorsitzender des GKM ist, ein paar Fragen stellen.

Zum Beispiel, warum man unbedingt auf Biegen und Brechen in ein Projekt investieren wollte, obwohl mehrere wichtige Gutachten noch nicht vorlagen und das Projekt absehbar nicht wirtschaftlich sein würde.

1 Kommentar zu „Mannheim: Tesla Store und Block 9“

  1. Günther Frey sagt:

    Zum Thema GKM:

    http://www.neckarstadtblog.de/2017/07/16/gkm-effizienz-zwischen-werbung-und-wirklichkeit/

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