ROUNDUP: Medien-Gift für die Energiewende

Die BILD-Zeitung titelt in der Rubrik “Wirtschaft”: “ROUNDUP: Neue Kosten für Stromkunden: Elektro-Autos machen Netzausbau teuer“. Was ist das Signal fürs Volk? Lasst die Finger von Elektromobilität.

Weitere Botschaften: Die Energiewende zwingt zum Netzausbau. Netzausbau wollt ihr nicht und ist teuer. Die Energiewende ist teuer. Und es wird das Wort “Roundup” verwendet, das in den letzten Monaten in einem ganz anderen Kontext in den Medien war und negativ besetzt ist - nämlich in Zusammenhang mit dem Giftmittel Glyphosat von Monsanto.

Die Vermutung liegt nahe, dass hier PR-Profis am Werk waren.

Diese Meldung ist so oder so ähnlich offenbar in sehr vielen Medien erschienen (hier anklicken).

Wir sollten aus meiner Sicht anfangen, relativ systematisch die richtigen Fragen zu stellen:

1. Wer ist der Autor des Artikels und welchen Hintergrund hat er?
2. In welchem Medium wurde der Artikel veröffentlicht?
3. Sind alle Quellen bis zum Ursprung nachvollziehbar?
4. Sind Informationen und Meinung klar getrennt?
5. Sind dargestellte kausale Zusammenhänge logisch zwingend?
6. In welchen Kontext sind Autor, Medium und Quellen organisatorisch, finanziell, emotional eingebunden?
7. Und last but not least: Wem nutzt es?

Zur letzten Frage siehe “Eine Frage mit Sprengstoff: Wem nutzt es?

Die von Daniel Bönnighausen auf Facebook geteilte MeldungNeue Kosten für Stromkunden: Elektro-Autos machen Netzausbau teurer” folgt dem bekannten Muster der “Die Energiewende ist teuer”-Propaganda-Meldungen (siehe dazu: Lobbyisten kosten 53,7 Mio.).

Beinah schon legendär ist die Altmaiersche Billion (Siehe “Strompreis-Zoff - Altmaiers 1-Billion-Euro-Drohung“). Dieser Mann hat den Haftungsausstieg für die Atomkonzerne ausgedealt (hier anklicken). Und dieser Mann soll nun den Wahlkampf von Merkel organisieren - trotz offenbar/möglicherweise verfassungswidriger Vermischung von Regierungsarbeit und Wahlkampf (hier anklicken).

Zurück zur Meldung, die Daniel Bönnighausen gepostet hat: Es wird auf den BDEW, die Nationale Plattform Elektromobilität, die Bundesnetzagentur, E.On und die großen deutschen Automobilkonzerne verwiesen - allesamt Organisationen, die dafür bekannt sind, den Betrieb aufzuhalten bzw. im besten Fall den Umbau in Richtung 100% Erneuerbare nicht voran zu bringen.

Die teilweise sehr engen Beziehungen von Angela Merkel zu diesen Akteuren sind seit langem bekannt. Siehe z.B. “DIE PATIN DER CAR-MORRA“, Lobbypedia zu Angela Merkel und “Lobbytik der CSPDU“.

Ansonsten sind die Quellen und Aussagen in dem Artikel nicht eindeutig zuzuordnen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei es eine sorgsam ausgearbeitete PR-Meldung. Quelle: unbekannt. Oder habe ich etwas übersehen?

Ein großes Problem ist, dass PR-Agenturen wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben als die Redaktionen der normalen Medien, insbesondere der Print-Medien, die durch das Aufkommen der Online-Medien fnanziell ausgeblutet sind. Guter Journalismus ist so häufig kaum noch möglich. Häufig werden ungeprüft PR-Meldungen komplett übernommen oder nur leicht angepasst.

Zur Krise des Journalismus siehe z.B. Gabor Steingart “Die sieben Versäumnisse des Journalismus

Es ist schlicht unmöglich alle täglichen Desinformationen zum Umbau der Energieversorgung zu kommentieren und richtig zu stellen.

Wie es mit der Energiewende im Allgemeinen aussieht, kann man sich in den Beiträgen der Playlist “Warum unsere Energiepolitik ein Desaster ist und wie sie geändert werden kann” anschauen.

Wenn man den Blick zum Thema Desinformation etwas erweitern möchte, ist auf jeden Fall sinnvoll sich mal mit diesen Stichworten zu befassen:

1 Kommentar zu „ROUNDUP: Medien-Gift für die Energiewende“

  1. Marta Rizvi sagt:

    1. seit wann steigt der Strompreis und wie viele Elektroautos gibt es heute? Bis jetzt gibt es keine Verbindung dazwischen.
    2. will man die Bürger entlasten, sollte man Mieterstrom und Balkonmodule endlich regulieren und ermöglichen. Steuer auf eigenen Verbrauch abschaffen. Schließlich zahle ich keine Steuern wenn ich eigenen Tomaten züchte.
    3. weil die Elektroautos Speicher auf Rädern sind, könnten sie in großen Stückzahlen durch intelligentes Laden die Netze entlasten und somit größeren Ausbau der Netze verhindern.
    4. wenn man endlich Steuer auf eigenen Verbrauch abschaffen würde und die Unternehmen nicht an Investitionen in PV Anlagen und Speichern hindern würde, hätte man auch die Netze entlasten können und viele Stromstraßen wären überflüssig.
    Der Wind und Solarstrom soll am Ort verbraucht werden.
    Im Norden, statt die Windräder abzuschalten, lieber power to gas anwenden. Auch wenn es große Umwandlungsverluste bedeutet, das Methan kann man für die Zeit ohne Wind und Sonne speichern und an Stelle des russischen Erdgases verwenden.
    5. zwei Verlierer gibt es: die alten Energieriesen und die deutschen Autokonzerne. Der Staat verliert Einnahmen aus den Steuern: Benzin, Diesel, Strom. Auf der anderen Seite, müssten viel weniger Öl und Erdgas importiert werden.
    Das ganze führt zur Demokratisierung der Energiemärkte.
    Indem sich Bürger und kleine Unternehmen die PV Anlagen, Stromspeicher und Elektroautos zulegen, werden sie halt unabhängiger.

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